Kurzumfrage zu „Welche Web 2.0-Möglichkeiten benutzen Studierende im Studium?“

22 06 2010

Aufgrund der bereits erwähnten Diskussion über Twitter mit Oliver Tacke und Andi stellen wir uns immer noch die Frage, ob und wenn ja welche und wie Lehrende und Studierende Web 2.0-Angebote im Studium einsetzen.

Da der Fokus doch sehr oft auf den Lehrenden liegt – schließlich sind wir Hochschuldidaktierinnen – bin ich froh, dass wir über die Diskussion auch Kontakt zu mehr Studierenden bekommen haben. Andi hat in seinem sehr lesenswerten Blogartikel „Wie kommt Web 2.0 in die Hochschule“ eine Umfrage für Studierende eingerichtet, die kurz abfragt, welche Möglichkeiten von Studierenden eingesetzt werden. Macht mit!





Wie kommt das E-Learning in die Hochschule?

8 06 2010

Anlass für diesen Artikel ist eine Diskussion, die sich in/über Twitter entwickelte. Ein Student schrieb dort, er wünsche sich mehr Web 2.0 an seiner Uni. Auf meine Nachfrage, ob er gerne mehr über Web 2.0 hören möchte oder gerne in seinen Veranstaltungen und digitalen Hochschulangeboten mehr Web 2.0-Möglichkeiten wünsche, ergänzte sogleich ein Kollege von mir die Frage „oder beides?“. Daraus entspann sich eine rege Diskussion unter – zunächst – uns dreien, für die die Twitter-140-Zeichen-Postings schnell nicht mehr ausreichten. Passenderweise erschien heute auf SpiegelOnline ein Beitrag zum Thema digitales Studium (siehe unten) – daher ist der folgende Beitrag gleich doppelt aktuell, wenn auch doch ein alter Hut..

Eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt, ist: Wie kommt das E-Learning eigentlich in die Hochschule? Oder, um uns mal ketzerisch und ins eigene Fleisch schneidend zu fragen: Wer will und braucht E-Learning-Angebote eigentlich? (Bei dieser Gelegenheit fällt wieder einmal auf, dass wir den Begriff E-Learning eigentlich nicht gerne verwenden – aber zu diesem Thema werden wir in naher Zukunft unsere Überlegungen hier ins Blog stellen, das würde jetzt den Rahmen sprengen.) Wir stellen zunächst also die Frage nach der Henne und dem Ei – was war zuerst da? Ein Bedarf von Seiten der Studierenden, der doch recht häufig an uns herangetragen wird, oder ein Angebot zur Lehr- und Lernunterstützung, das angenommen und weitergetragen wird?

These 1:
Studierende wissen zu wenig über die Möglichkeiten, die Online-Lernangebote Ihnen eigentlich bieten (könnten). Gleichzeitig sind sie als Gruppierung nicht die Digital Natives, für die wir sie gerne halten.
Immer wieder zeigt sich, dass die Studierenden als Zielgruppe von E-Learning-Angeboten und -Unterstützung/Support wenig berücksichtigt werden. Dabei sind sie die eigentliche „Kundschaft“ der Angebote. Lehrende setzen zwar die Angebote um, aber betroffen sind doch letztendlich die Studierenden. Die gehen aber ihrerseits mit den Möglichkeiten der inzwischen nicht mehr „neuen Medien“ nicht so selbstverständlich um, wie wir ihnen gerne unterstellen. Das zeigt sich immer wieder in Gesprächen mit Studierenden selbst, aber auch mit engagierten Lehrenden, die dies ebenfalls wahrnehmen.

These 2:
Lehrende haben oft Angst vor Mehrarbeit oder Überforderung, die Ihnen durch den Einsatz von Online-Bausteinen in Ihrer Lehre entstehen könnte. Sie haben maximal Grundkenntnisse über die vorhandenen Techniken, die aber nicht ausreichen – didaktische Beratung und Unterstützung sind notwendig. Andererseits sind viele Möglichkeiten unbekannt und E-Learning wird als „großes Unbekanntes“ und damit eher als bedrohlich statt als nützlich wahrgenommen.

Das ist sicherlich auch durch die Rasanz bedingt, mit der sich „das Internet“ und die Möglichkeiten digitaler Lehr- und Lernunterstützung weiterentwickeln.

These 3:
Studierende haben Bedarfe – die ganz sicher noch genauer unter die Lupe genommen werden müssen als bisher, damit wir ihnen nicht Anforderungen in den Mund legen, die gar nicht vorhanden sind.
Wenn Studierende diese Bedarfe artikulieren und transparent machen können und Lehrende nicht nur technisch, sondern auch didaktisch unterstützt werden, kann E-Learning an Hochschulen erfolgreich sein.
Es kann und soll nicht darum gehen, überall und immer Medien einzusetzen, sondern die Möglichkeiten, die vorhanden sind, zielgerichtet und angemessen einzusetzen. Dass nicht nur Lehrende, sondern auch Studierende sich manchmal durch das „digitalen Zeitalters“ überfordert fühlen, zeigt der aktuelle SpiegelOnline-Beitrag zum Thema „Kritische Blicke auf das digitale Studium“.

These 4:
Das Grundproblem besteht aber nicht nur in mangelnder Information und Kommunikation auf beiden Seiten, sondern auch in einer Geringschätzung der Lehrtätigkeit.
Und hier stoßen wir auf ein Grundproblem: Die Wertschätzung von Bildung im Allgemeinen. Damit würden wir ein Riesenfass aufmachen – aber eine Rolle spielt das trotzdem.

–> Zurück zur Grundfrage: Wie kommt das E-Learning denn nun in die Hochschule? Ist es letztendlich doch nur eine Frage der Unterstützung? Sind am Ende die Entscheidungen der Hochschulleitungen von größerer Wichtigkeit als die Bedarfe der Studierenden? Sind die Bedarfe überhaupt vorhanden? Und: Sind Unis nicht auch Service-Dienstleister, auch wenn Sie sich nicht so sehen? Was macht es so schwer, sich nach den Bedarfen der Kunden zu richten – was jede Unternehmen über kurz oder lang tun müsste, um zu überleben?

Entgegen dem Eindruck, den der Spiegel-Artikel vielleicht vermittelt, ist ein sinnvoller Einsatz digitaler Medien an der richtigen Stelle durchaus möglich  – man muss vielleicht nur nicht in solchen Extremen denken.