Ein Telegramm von der ICED Barcelona

29 06 2010

Heut ist der zweite Tag der ICED (International Consortium of Educational Development) in Barcelona. Mir (Thu) sind bislang zwei Aspekte aufgefallen, die E-Learning betreffen:

  1. Es ist kaum präsent. Von ca. 300 Vorträgen gibt es ca. eine Hand voll zum Thema ICT in teaching and learning. –> Das spiegelt wohl auch unsere Vermutung wider, dass Hochschuldidaktik/-entwicklung und E-Learning nicht wirklich gut verzahnt sind.
  2. Es gibt diverse Programme zur Qualifizierung der Lehrenden in diesem Bereich, aber diese sind größtenteils tatsächlich noch in den Anfängen. Mit anderen Worten, wir (also die Supportstellen mit den aktuellen Programmen) stehen dem in nichts nach und gehören sogar eher zur innovativen Fraktion.

Aufatmen und lieber auch mal auf Englisch publizieren.

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Ballett an der Hochschule – Oder wie man den Spagat zwischen Hochschuldidaktik und E-Learning hinbekommt

1 06 2010

Wir, Carola und Thu, sind zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Kompetenzzentrum Hochschuldidaktik für Niedersachsen an der TU Braunschweig. Wir sind zuständig für die Weiterbildung der Hochschullehrenden in vielen Bereichen, insbesondere aber im Bereich „Lehren und Lernen mit neuen Medien“. Ob wir hier langfristig beim Begriff E-Learning bleiben wollen und vor allem können, wird sich noch zeigen. Gleichzeitig koordinieren wir die Einführung der Lernplattform Stud.IP an der TU Braunschweig. Nicht nur deswegen könnten wir auch Balletttänzerinnen sein.

Außer, dass wir in diesen beiden Bereichen tätig sind, also ständig einen Spagat zwischen Hochschuldidaktik und E-Learning  machen, sind wir eben nicht nur für die TU Braunschweig zuständig, sondern auch für viele weitere Hochschulen in ganz Niedersachsen. Und darum geht es in diesem Blog hier. Wir thematisieren die Paralleluniversen, die eigentlich zusammengehören, sich aber oft nicht einmal annähernd berühren; wir reden über das, was sich gerade in der niedersächsischen E-Learning-Landschaft tut, aber auch, was man sonst noch so alles anstellen könnte. Dabei gehen wir von der Situation (sprich: Hochschule) aus, in der wir uns gerade befinden, versuchen aber, in uns bekannten Hochschulen, mit denen wir vernetzt sind, Parallelen zu finden und so vielleicht auch übertragbare Lösungen zu entwickeln.

Letztens sammelten wir Ideen für eine neue E-Strategie. Wir fragten uns, was es bereits gibt und was wir uns wünschen? Dabei hat sich ziemlich schnell wieder einmal herausgestellt, dass die technische Lösungen für verschiedene Szenarien – auch wenn sie noch nicht umgesetzt wurden und vielleicht auch etwas aufwändiger umzusetzen sind – vermutlich gar nicht so wichtig sind und daher nicht so im Mittelpunkt stehen sollten, wie man sich das manchmal vorstellt.. Natürlich setzt eine gut funktionierende Strategie ein robustes System mit entsprechenden Ressourcen voraus – das wissen wir längst, und wir stellen dies auch gar nicht in Frage. Wo es allerdings spannend wird, schwindet die Relevanz der Technik:

die engere Verknüpfung zwischen (Hochschul-)Didaktik und E-Learning

Klingt auch wie ein alter Hut, diese Forderung. Aber mal ehrlich: Wo wird sie denn bereits erfolgreich umgesetzt? (Wenn es tatsächlich Beispiele gibt: Immer her damit! Wir freuen uns über jedes Beispiel und generell über Kommentare und Anmerkungen in diesem Blog!)

Ganz konkret sehen wir mehrere Baustellen; na, im Grunde genommen sind es Forderungen:

  • E-Learning sollte nicht nur als ein singulärer Kurs in einem hochschuldidaktischen Weiterbildungsprogramm angeboten werden – sondern integriert in den einzelnen Themen. Das würde bedeuten, dass jede/r Dozent/in zu einem hochschuldidaktischen Thema, z.B. Feedbackmethoden, auch das Know-how zum Medieneinsatz für dieses Thema hat und entsprechende Informationen und Impulse für die Teilnehmenden anbieten kann.
  • Für uns E-Learner bedeutet dies, dass wir ein Beratungs- und Coachingangebot für Hochschuldidaktiker anbieten sollten, damit sie ihr allgemeindidaktisches Kompetenzspektrum erweitern können.
  • Es sollte entsprechend im Sinne eines Train-the-Trainer-Konzepts auch speziell Weiterbildung für Hochschuldidaktiker sowie ein Repository mit speziell aufbereiteten Beispielen und Methoden geben, die Hochschuldidaktiker für ihre Zwecke nutzen können.
  • Hochschuldidaktiker sollten viel mehr in die Entwicklung innovativer E-Learning-Szenarien mit eingebunden werden. Zum einen natürlich im Kontext echter Entwicklungsbedarfe von Lehrveranstaltungen; zum anderen aber auch im Kontext zukünftiger (Wunsch-)Formate, die einer Erprobung, Erforschung und ggf. auch technischer Weiterentwicklung bedürfen.

Insgesamt könnte man die Punkte sicherlich auch umkehren: Allgemeine Hochschuldidaktik sollte ein Bestandteil von E-Learning-Themen sein; E-Learner benötigen Beratung, Coaching und Weiterbildung in hochschuldidaktischen Themen und sollten in die Entwicklung innovativer Lehr-/Lernszenarien mit eingebunden werden. Wir glauben allerdings, dass die allgemeine Hochschuldidaktik die Basis für die Lehrkompetenzentwicklung der Lehrenden bildet, weshalb E-Learning mehr ein Plus als ein Muss ist. Deswegen sollte eine E-Strategie unseres Erachtens grundsätzlich  die Verbesserung der Lehre im Sinne einer allgemeinen hochschuldidaktischen Kompetentwerdung in den Vordergrund stellen.

Wir sehen gerade bei unserer Einrichtung, die allgemeine Hochschuldidaktik und E-Learning thematisiert, als geeigneten Raum, um diese Richtung verstärkt zu verfolgen. In diesem Blog möchten wir unsere Ideen und Projekte dokumentieren und zur Diskussion stellen, sie weiterentwickeln und auf diese Weise eine taugliche hochschuldidaktische E-Strategie für unsere Hochschule entwickeln, die sich auch auf andere Hochschulen und Szenarien übertragen lässt.  Und wo ginge das besser als in dem Bereich, in dem wir arbeiten: Online!

Liebe Grüße,

Caro und Thu