Artikel über Web 2.0 mit Web 2.0 verfassen – und mit Euch!

14 06 2010

Wie sich in der Diskussion um unseren letzten Blogpost gezeigt hat, sind die Erwartungen und Erfahrungen unter Lehrenden, Studierenden und E-Learning-„Unterstützern“ sehr unterschiedlich. Passend wie die Faust aufs Auge fiel zu diesem Thema der Call for Papers der Zeitschrift MedienPädagogik in die Hände. Einreichen soll man Artikel zum Thema „Partizipationschancen im Kulturraum Internet nutzen und gestalten –Das Beispiel Web 2.0„.

Nun ist über das Thema Web 2.0 sowohl im Hochschulkontext als auch in anderen Zusammenhängen schon viel geschrieben worden – und darum möchten wir mit Eurer Hilfe einen Artikel einreichen, der Web 2.0 nicht nur thematisiert, sondern auch beinhaltet. Denn was könnt näher am Thema sein, als einen Artikel zum Thema Web 2.0 mit Web 2.0-Möglichkeiten zu erarbeiten?
Unser konkreteres Thema ist (natürlich) der Einsatz von Web 2.0 im Hochschulkontext, genauer:

Praxiserfahrungen mit Partizipation im Netz im Hochschulkontext

und daraus folgend: hemmende und förderliche Faktoren für die Realisierung des Web 2.0-Einsatzes im Hochschulkontext sowie die dafür erforderlichen Kompetenzen. Das bedeutet, dass wir einerseits eine theoretische Fundierung in diesem Artikel haben, aber auch Praxiserfahrungen von Lehrenden und Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen sowie E-Learning-Einrichtungen einbeziehen möchten. Schön wäre es natürlich, wenn sich eine bunte Mischung aus diesen Personen- und auch Fachgruppen ergeben würde – wir freuen uns über jeden, der mitmachen möchte!

Was genau haben wir vor – und wie?

Wir möchten in diesem Blog unseren Artikel schreiben – und ihr spielt die wichtigste Rolle dabei.  Das alles soll in mehreren Schritten geschehen.

Schritt 1 – ab sofort:
Los geht es mit dem Sammeln von Praxiserfahrungen. Teilt uns Eure Praxiserfahrungen mit Web 2.0-Einsatz in der Hochschule aus Lehrenden- oder Studierenden- oder Beratersicht mit, indem Ihr Euch an den für Euch relevanten Leitfragen weiter unten orientiert und einen Kommentar zu diesem Artikel verfasst. Wir arbeiten parallel am „Theorieteil“ des Artikels, den wir ebenfalls zur Diskussion stellen.

Schritt 2 – ab sofort:
Eure Berichte stellen wir als jeweils eigenen Blogbeitrag mit Verweis auf Euren Namen (je nach Wunsch Euren echten oder Euren Alias-Namen) unter der Kategorie „Praxisberichte“ hier in unseren Blog ein. So können die anderen Blogleserinnen und Blogleser Rückfragen stellen, kommentieren und diskutieren.

Schritt 3 – [tba]:
Wir sortieren und strukturieren Eure Beiträge und fassen Sie in Unterkategorien zusammen. Anschließend sind die Autoren der ursprünglichen Beiträge dazu aufgerufen, aufgrund der gesammelten Fragen, Kommentare und Diskussionen zu Ihren Beiträgen diese zu verändern oder zu ergänzen.

Schritt 4 – [tba]:
Wir stellen den Artikel zusammen und reichen ihn ein. Natürlich werden alle Mit-Autorinnen und -Autoren entsprechend namentlich genannt und gewürdigt, es sei denn, sie möchten das nicht.

Unsere erste Bitte an Euch ist also: Verfasst einen Text, in dem Ihr Eure Erfahrungen mit Web 2.0 im Hochschulkontext beschreibt und erläutert. Pickt Euch dazu die entsprechenden Leitfragen, die für eure Personengruppe passen, heraus. Tragt die Information auch weiter und bittet Euch bekannte Lehrende oder Studierende, sich zu beteiligen – denn Web 2.0 lebt bekanntlich vom Mitmachen!

Leitfragen

– für Lehrende

  • Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
  • Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?
  • Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?
  • Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?
  • Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?
  • Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?
  • Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?
  • Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)
  • Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?
  • Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?

– für Studierende

  • Welche Web 2.0-Anwendungen haben Sie bereits im Rahmen Ihres Studiums verwendet? Welche wurden in einer/mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
  • Wie und wofür wurden die Web 2.0-Anwendungen in den Lehrveranstaltungen eingesetzt?
  • Welche Hilfen erhielten Sie?
  • Wie haben sie die Zusammenarbeit mit Lehrenden und wie mit anderen Studierenden und den/dem Lehrenden mittels der Web 2.0-Werkzeuge empfunden?
  • Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für Web 2.0-Werkzeuge in Lehrveranstaltungen ihres Fachgebiets? Was würden Sie sich für Ihr Studium wünschen?
  • Welchen Mehrwert hat Ihnen der Einsatz von Web 2.0 in Lehreranstaltungen schon gebracht/welchen potentiellen Mehrwert sehen sie für sich und ihre Kommilitonen, aber auch für die Lehrenden?
  • Welche Fähigkeiten benötigen die Lehrenden, um Web 2.0-Anwendungen in ihrer Lehre gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie als Studierende?

– für MitarbeiterInnen in E-Learning-Einrichtungen

  • Welche Web 2.0-Anwendungen werden an Ihrer Hochschule bereits eingesetzt?
  • Für was und in welchem Zusammenhang (Lehre, Zusammenarbeit in der Verwaltung…) werden diese Anwendungen eingesetzt?
  • Welches Unterstützungsangebot beim Einsatz von Web .20 in der Lehre oder im Studium bieten Sie Lehrenden und Studierenden an Ihrer Hochschule an? (Beratung, Hilfen, Screencasts…)
  • Welche Anfragen/Nachfrage und welches Feedback erhalten Sie von Lehrenden und Studierenden bezüglich der Nutzung von Web 2.0 im Hochschulleben?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bei der Zusammenarbeit mit Lehrenden, welche bei der Zusammenarbeit mit Studierenden während des Einsatzes von Web 2.0-Anwendungen?
  • Welche Fähigkeiten müssen Lehrende mitbringen/erwerben, welche Studierende, um Web 2.0 im Hochschulalltag sinnvoll einsetzen zu können?
Advertisements

Aktionen

Information

9 responses

15 06 2010
Sandra Hofhues

Hallo Ihr,

eine spannende Idee, Euer Artikelvorhaben, die ich gerne unterstütze. Hier meine Antworten aus Lehrendenperspektive:


Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
– Weblogs
– Twitter
– Podcasts
– E-Portfolios
– Social Bookmarking

Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Man muss sicher nach den Tools unterscheiden; Weblogs dienen in meinen Seminaren zur Reflexion von Einzel-, vor allem aber Gruppenarbeitsprozessen und auch zur Dokumentation von Lernergebnissen. Twitter dient bei mir vorwiegend dazu, rasch zu informieren, vor allem passende Links zu verbreiten. Mitunter wird soziale Präsenz über Twitter gezeigt, d.h. Studierende werden durch mich als Dozentin motiviert (gelobt, unterstützt etc.). Podcasts dienen dazu, Lernergebnisse „einmal anders“ aufzubereiten; sie können audio- oder auch videobasiert sein. E-Portfolios werden bei uns im Begleitstudium Problemlösekompetenz eingesetzt, um Lernerfahrungen zu sammeln, zu dokumentieren und schließlich auch zu bewerten. Ein Teil des E-Portfolios ist dabei öffentlich. Social Bookmarks nutze ich als digitale Reader für meine Lehrveranstaltungen, da die meisten Quellen inzwischen über das Web verfügbar sind (ich lehre viel zu Web 2.0, da liegt das nahe).

Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?
Da die Tools meist zur Unterstützung des Lernprozesses dienen, werden die Studierenden sehr gezielt auf den Medieneinsatz vorbereitet – und zwar in der Präsenzsituation mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?
Die Zusammenarbeit verhält sich von Seminar zu Seminar unterschiedlich und auch die Tools „funktionieren“ unterschiedlich gut. Tendenziell klappt der Austausch von Informationen gut – dies sind die Studierenden gewohnt und passt in ihr Bild von Universität. Komplizierter wird es, sobald Reflexions- und Gruppenaustauschprozesse angestoßen werden sollen. Hierin wird zunächst kein Sinn gesehen bzw. es ist erhebliches Eingreifen durch Lehrende/Tutoren notwendig.

Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?
Die meisten Studierenden stehen dem Einsatz von Web 2.0-Tools sehr kritisch gegenüber; nur wenige melden zurück, dass sie auf neue Recherchewege gestoßen sind oder mehr als in klassischen Seminaren von der Lehrveranstaltung „mitnehmen“. Selten, aber doch immer mal wieder kommt es vor, dass die Studierenden fortan Tools in anderen Veranstaltungen nutzen wollen (z.B. Blogs).

Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?
Aus meiner Sicht liegt ein Vorteil darin, dass sich der Aufwand für die Bearbeitung von Fragestellungen für die Studierenden verteilt; für die Lehrenden wird es erleichtert, Lernprozesse (ggü. -ergebnissen) zu bewerten. Außerdem können insbesondere Projektarbeiten optimal durch E-Learning begleitet werden.

Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?
Aus meiner Sicht ist es wichtig, immer mit den Studierenden in engem Kontakt zu sein und sich mit ihnen über Sinn und Unsinn bestimmter Werkzeuge auszutauschen. Auf diese Weise fällt es einem leichter, die eigenen Vorstellungen mit denen der Studierenden abzugleichen. Wichtig ist mir zudem, die Studierenden über die Öffentlichkeit bestimmter Tools aufzuklären, damit sie diese entsprechend (vorsichtig) nutzen.

Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)
Da ich mich einigermaßen gut mit Web 2.0-Anwendungen auskenne, benötige ich nur manchmal technischen Suppport bzw. entsprechende Serverplätze.

Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?
In meinen Lehrveranstaltungen sind E-Learning-Elemente fester Bestandteil. Allerdings sehe ich nicht, dass dies abseits unserer Insel (Institut für Medien und Bildungstechnologie/Universität Augsburg) bereits etabliert wäre. Hier ist viel Überzeugungsarbeit nötig, die sicher noch Jahre braucht, um entsprechende Werkzeuge für den Einsatz in der Lehre zu etablieren.

Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?
Studierende sind in der Regel technisch gut in der Lage, bestimmte Tools zu benutzen. Sie benötigen zwar, wie fast alle, kurze Einführungen, können sich „den Rest“ dann aber selbst beibringen. Wichtiger scheint mir, dass die Studierenden lernen, kritisch mit der Öffentlichkeit und den eigenen Daten umzugehen. Unter welchen Bedingungen die Werkzeuge „gewinnbringend“ sind, kann man wohl nur auf Individualebene sagen. Vermutlich spielt eine Rolle, inwiefern die Studierenden intrinsisch und auch extrinsisch zum Einsatz motiviert sind/werden. Ich selbst versuche, nicht stehen zu bleiben, d.h. mich ständig über neue Entwicklungen im E-Learning auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig den Mut zu bewahren, permanent neue Werkzeuge auszuprobieren (auch auf die Gefahr hin, hin und wieder mit dem Medieneinsatz zu scheitern).

15 06 2010
Ralf

Ähh, ich poste hier auf die Schnelle erstmal nen Link. http://appelt.net/2008/09/review-of-a-seminar-with-blogs-a-wiki-and-more/
Theoretisch könnte ich zu Punkt 1 und 3 was sagen. Mir fehlt aber gerade ein bisschen die Zeit. Ich habe bisher 4 Seminar mit Web 2.0 Unterstützung durchgeführt.
Bin aber auf jeden Fall gespannt auf die Ergebnisse…

Grüße Ralf

16 06 2010
Tobias Thelen

In eurem Beitrag kommt ca. zwei Dutzend mal der Begriff Web 2.0 vor, aber mir ist nicht klar, was ihr – in Bezug auf Hochschullehre – darunter eigentlich versteht. Ich gehe davon aus, dass der Begriff Web 2.0 ein Merkmalsbündel bezeichnet, d.h. nicht alle Merkmale, die mit Web 2.0 in Verbindung gebracht werden können, müssen von einer Webseite/Webanwendung erfüllt sein, damit sie als Web 2.0 tituliert werden kann. Gibt es denn notwendige Merkmale? Heißt Web 2.0 in eurem Sinne auf jeden Fall: öffentlich? Heißt es auf jeden Fall: runde Ecken (damit meine ich allgemeiner eine visuelle Anmutung, die irgendwie mit Web 2.0 in Verbindung gebracht wird)?

Ist es geschlossenes Wiki also auf keinen Fall Web 2.0, weil nicht öffentlich? Ist ein Szenario, in dem ich meinen Studierenden sage: Geht mal in das Diskussions-Forum der CDU und versucht eine seriöse Diskussion über Studienbeiträge zu führen auch nicht Web 2.0, weil ein phBB-Forum nicht Web 2.0 ist? Oder reicht es in eurem Sinne aus, irgendeine hochschullehrbezogene Form von Aktivität im Internet, ob sichtbar oder nicht, darzustellen?

16 06 2010
cakruse

Hallo Sandra,
wow, so fix! Vielen Dank für das Einreichen des ersten Beitrags zu unserer Idee 🙂 Wir haben gleich mal ein Blogpost daraus gemacht und sind sehr gespannt darauf, welche Fragen und Kommentare dazu kommen.

Hallo Ralf,
danke für Deinen Kommentar und den Link! Das liest sich sehr interessant und viele der Fragen, die wir uns/Euch stellen, sind damit ja schon abgedeckt. Es wäre schön, wenn Du vielleicht noch ein wenig zu den Rückmeldungen durch die Studierenden (jenseits der Technik zum Einsatz für das Lernen), Deine möglichen weiteren Planungen bzw. die Einschätzung der Gesamttendenz und zu den Kompetenzen und Fähigkeiten, die Studierende und Du selbst mitbringen müssen, um Web 2.0 erfolgreich einzusetzen.

Hallo Tobias,
danke für Deinen Kommentar. Wir haben im Zusammenhang mit unserem Vorhaben absichtlich keine „Definition“ von Web 2.0 mitgeliefert. Wir möchten gerne bei den Beiträgen, die von Seiten der Lehrenden, Studierenden und E-Learning-Serviceeinrichtungen gepostet werden, auch für den Artikel aufgreifen, wie Web 2.0 in der Hochschullandschaft gesehen wird. Für unsere theoretische Fundierung haben wir eine Vorstellung der Merkmale, die für eine Web 2.0-Anwendung erfüllt sein müssen (Minimum) und im Idealfall erfüllt sein sollten (Maximum).
Wenn wir unsere Ansicht von Web 2.0 aber hier gleich dokumentieren und damit die Perspektive einengen, ginge der Zusammenstellung, die wir mit den Praxisbeispielen erstellen möchten, einiges verloren. Auch die Diskussion und die Nachfragen, die sich zu den Beiträgen die wir als eigene Blogbeiträge einstellen, hoffentlich ergeben, würden wir einiges wegnehmen – und da kann man ja durchaus kontovers diskutieren, ob und was denn nun Web 2.0 ist oder nicht. Die verschiedenen Meinungen zuzulassen ist dabei unabdingbar.

17 06 2010
Examinator » Web 2.0 im Studium

[…] Zwei WiMis aus dem Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik der TU Braunschweig bloggen und diskutieren über Web 2.0 im Studium, konkret über die Verknüpfung von E-Learning und Studium. Nun wollen sie für die Zeitschrift MedienPädagogik einen Artikel über das Thema „Partizipationschancen im Kulturraum Internet nutzen und gestalten –Das Beispiel Web 2.0″ verfassen, aber nicht einfach irgendwie sondern es soll ein Artikel über Web 2.0 mit Mitteln des Web 2.0 (hier: Blog) werden. Zur Mitdiskussion und -produktion sind Lehrende, Studierende und in E-Learning-Einrichtungen Mitarbeitende aufgerufen. Guckt am besten mal selbst hier. […]

17 06 2010
Oliver Tacke

Hallo, ihr beiden!

Famose Idee, da bin ich natürlich dabei und hake erst einmal die Leitfragen ab:

* Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Wirklich eingebunden habe ich nur ein Wikis und war beim Probeeinsatz von Twitter zumindest irgendwie involviert.

* Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?

In einem Seminar wird derzeit ein Wiki eingesetzt, in dem die Studierenden gruppenweise öffentlich ihre Seminararbeiten verfassen. Die Idee, so wie ich sie kenne, stammt ursprünglich von Christian Spannagel, und ich wollte das einfach auch einmal ausprobieren.

* Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?

???

* Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?

Im Seminar läuft es bisher prima, wenngleich es ein Blended-Learning-Szenario ist und so die Zusammenarbeit nicht ausschließlich über das Wiki läuft.

* Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?

Bisher: Die Einarbeitung in die Handhabung sei jedenfalls recht einfach – bis auf die Erstellung von Tabellen. Für das gemeinsame Erstellen von Arbeiten sei die Nutzung eines Wikis eine gute Idee, auch weil der Betreuer so zwischendurch immer mal drüberschauen kann.

* Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?

+ sinnvolles Werkzeug zur kollaborativen Erstellung von Texten
+ methodische Erfahrung im Web 2.0 (Wert an sich?)
+ kein Versionswirrwarr
+ Input von außen möglich, ermöglicht transdisziplinäres Arbeiten
+ Betreuer kann sehr einfach den gesamten Erstellungsprozess der Arbeit begleiten und nicht nur das Resultat begutachten; ggf. frühzeitiges Eingreifen möglich
+ erhöhte Motivation gerade dann, wenn Input von außen kommt – kein Schreiben „für die Schublade“
+ Plagiarismusgefahr könnte sinken – wer will sich schon öffentlich erwischen lassen
+ Lehrenden können im Prinzip drei Stufen abschreiten, je nach Erfahrung und Einstellung zur Grundidee (1. geschlossenes Wiki, sonst nichts anders als bei „klassischen Seminaren“; 2. zusätzlich den Prozess begleiten; 3. Wiki öffentlich mit Input von außen)

– Input von außen muss auch angeregt werden, von allein passiert da nichts; Betreuer muss über ein entsprechendes Kontaktnetz oder viel „Werbung“ machen
– Lehrender sollte natürlich Erfahrung mit Wikis haben
– Gefahr, aller Input kommt von außen und andere schreiben mehrheitlich die Arbeit (konnte aber bisher keinesfalls bestätigt werden, siehe „Werbeproblem“ oben)
– Könnte sehr viel Arbeit sein, wenn man sich sehr in den Begleitungsprozess reinhängt (kann aber jeder Dozent flexibel für sich entscheiden)

* Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?

Klappt sehr gut, würde ich wieder so machen. Eventuell noch weitere Betreuer ins Boot holen, da man dann den Entstehungsprozess besser begleiten kann, aber den kann jeder, wie gesagt, flexibel steuern.

* Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)

Ich wäre fit 🙂

* Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?

Ist prinzipiell unabhängig vom Fach, sollte also auch auf andere Veranstaltungen übertragbar sein. Kann man eventuell auch in Vorlesungen oder Übungen einbauen (gemeinsam zunächst Themen bearbeiten und dann von den Studierenden vorstellen lassen).

* Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?

Die Studierenden konnten sich problemlos die Bedienung des Wikis selbst aneignen. Allgemein: Potenziale erkennen, die im Web 2.0 stecken – selbst Inhalte produzieren, Wissen mit anderen teilen und neues konstruieren und dabei selbst lernen. Setzt aber sicher oft eine Einstellungsänderung der Lehrenden voraus.

18 06 2010
Svenja Vozenilek

Hallo Ihr,
das klingt wirklich spannend, was Ihr da vorhabt. Studierende sind ja bislang noch chronisch unterrepräsentiert, das soll sich nun ändern:

* Welche Web 2.0-Anwendungen haben Sie bereits im Rahmen Ihres Studiums verwendet? Welche wurden in einer/mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Vor diesem Semester habe ich nur die üblichen Web 2.0-Anwendungen (für mich heißt das, das Benutzer wesentliche Inhalte beitragen können, also wäre z.B. Amazon so ganz knapp an der Grenze) wie Wikipedia passiv verwendet. In diesem Semester habe ich ein Seminar – Studieren im Mitmachnetz – was sich genau mit dem Thema auseinandersetzt, ich stell den Link zum Seminarblog mal hier rein, damit man sich besser vorstellen kann, was ich meine : http://blogs.zmml.uni-bremen.de/mitmachnetz/
Im Rahmen dieses Seminars benutze ich allerhand Web 2.0, ich blogge über meine Lernfortschritte und andere studienbezogene Inhalte, informiere mich über studienrelevante Neuigkeiten via RSS und verwende social bookmarking für meine Literatur. Dieses Seminar ist natürlich Web 2.0 at it’s best, ansonsten wurde in meinen Veranstaltungen bislang nur StudIP eingesetzt, in zwei Fällen wurde das Wiki darin benutzt.

* Wie und wofür wurden die Web 2.0-Anwendungen in den Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Das Gros meiner Veranstaltungen benutzt StudIP zur Weitergabe von Dateien, meist zu lesende Literatur, oft sollen die Studis ihre Bildschirmpräsentationen oder Handouts nach gehaltenen Referaten hochladen. Im Wiki sollten wir in einem Seminar tatsächlich gemeinsam an Artikeln arbeiten, um sie so zu optimieren. Im anderen Seminar sollte durch das Wiki eine (vermeintliche) Anonymität – wir sollten uns selbst zu einem ziemlich privaten Thema interviewen – gewahrt werden. Totaler Quatsch natürlich, aber die Dozentin ließ es sich nicht ausreden. Im Mitmachnetz-Seminar werden der Blog mit regelmäßigen Videos und Screencasts zur Inhaltsvermittlung, Twitter (für Eilmeldungen) und ein Forum zum Support benutzt.

* Welche Hilfen erhielten Sie?

Meist gar keine, die Dozenten gehen davon aus, dass wir schon wissen, wie es funktioniert. Studierende sind aber nicht die homogene Gruppe von digital natives, für die sie von vielen Dozenten gehalten werden. Allerdings gibt es seit einiger Zeit eine StudIP-Sprechstunde, wo man Anwendungsfragen klären kann. Rühmliche Ausnahme auch hier wieder das Mitmachnetzseminar, in Videos und Screencasts wird alles mehr oder weniger gründlich erklärt, im Forum bekommt man recht zügig Rat von Dozenten, Tutoren oder anderen Seminarteilnehmern

* Wie haben sie die Zusammenarbeit mit Lehrenden und wie mit anderen Studierenden und den/dem Lehrenden mittels der Web 2.0-Werkzeuge empfunden?

Sehr positiv, es stellte sich bei mir schnell das Gefühl von „in einem Boot sitzen“ ein. Die Asynchronität ist auch ein großer Vorteil, ich fühle mich sozial nicht so unter Druck gesetzt JETZT den geistreichen Einfall für die Diskussion zu haben,

* Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für Web 2.0-Werkzeuge in Lehrveranstaltungen ihres Fachgebiets? Was würden Sie sich für Ihr Studium wünschen?

Man könnte über social bookmarking-Dienste gemeinsam Literatur sammeln und verwalten, in Blogs und Foren diskutieren oder gemeinsam zu erarbeitende Ausarbeitungen z:B. über Wikis organisieren (statt „ich schick Dir meinen Teil zu, wenn ich fertig bin“). In Bio müssen wir ziemlich oft Versuchsprotokolle schreiben, warum die nicht im Rahmen eines Projektblogs veröffentlichen? Klar gäbe es da wahrscheinlich einige, die schamlos bei anderen abkupfern würden, aber das passiert sowieso.

* Welchen Mehrwert hat Ihnen der Einsatz von Web 2.0 in Lehreranstaltungen schon gebracht/welchen potentiellen Mehrwert sehen sie für sich und ihre Kommilitonen, aber auch für die Lehrenden?

Die Mitmachnetz-Veranstaltung läuft komplett online, das ist natürlich organisatorisch großartig, weil man, wie in der Werbung für die Veranstaltung so nett formuliert, studieren kann ,wann und wo man will‘ – perfekt, wenn man wie ich durch den Nebenjob zeitlich stark eingeschränkt ist. Ansonsten kann man bei Diskussionen etc. leichter aufeinander Bezug nehmen; Fundstücke sind einfacher zu teilen. Eher zurückhaltende Menschen haben mehr Zeit und Raum, sich auszudrücken und werden nicht so leicht „überfahren“. Natürlich setzt das Ganze eine gewisse Motivation zum Mitmachen voraus.
Wenn Web 2.0 in Veranstaltungen eingesetzt wird, erlangt man zwangsläufig nebenbei eine gewisse Kompetenz in dem Bereich.

* Welche Fähigkeiten benötigen die Lehrenden, um Web 2.0-Anwendungen in ihrer Lehre gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie als Studierende?

Lehrende müssen schon selbst halbwegs fit in den Anwendungen sein, die sie einsetzen wollen und dürfen nicht erwarten, dass der Input da nur von den Studis kommt. Motivationsfähigkeit ist sicher gefragt, aber auch „traditionelle“ Veranstaltungen funktionieren nur gut, wenn viele Beteiligte motiviert sind und sich positiv einbringen. Abgesehen von einer gewissen technischen Kompetenz und der Offenheit für Neues auf beiden Seiten sehe ich nichts, was jetzt Web 2.0-spezifisch wäre.

13 07 2010
Sarah Niemeier

Hallo!

Ich unterstütze Eure Idee sehr gerne – und bin schon gespannt auf (die Zwischenschritte und) das Endergebnis 🙂

* Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
– Wiki
– Screenrecording-Werkzeuge – für Lern-Tutorials (selbst erstellt)
– StudIP

* Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Wiki: Zur Erarbeitung von Übersichtstexten zu verschiedenen Themen in einem Blended-Learning-Seminar. Zuerst wurden in Präsenzveranstaltungen Themen verteilt und Gruppen gebildet. Anschließend recherchierten die Gruppen in Eigenarbeit nach themenbezogener Literatur, die Sie während einer Online-Phasen zu einen Wiki-Artikel zusammenfassten und das Themengebiet insgesamt im Wiki aufbereiteten. Abschließend gab es eine Rückmeldephase, eine Lernphase und zum Schluss eine „Prüfungstermin“ mit den Wiki-Inhalten
Screenrecording-Werkzeuge: Mit Screen-Recording-Werkzeugen wurden von mir Tutorials erstellt, die der vertieften Auseinandersetzung mit statistischen Methoden dienen sollten. Sie wurden sozusagen nur als Zusatzmaterial in eine Veranstaltung hineingegeben.
StudIP: zur Datei-Ablage und Information über eine Veranstaltung

* Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?
Wiki: kurze Einführung und eigenes Experientieren mit den Funktionen im Wiki. Die theoretischen Inhalte, die später im Wiki von den Studierenden erarbeitet wurden, wurden überblicksartig kurz (10 Minuten) vorgestellt.
Die Inhalte der Screenrecording Werkzeuge (SW) wurden im Seminar theoretisch und praktisch genau erläutert, im SW dann nur zusammengefasst wiederholt. Bei den Materialien aus dem StudIP war es ähnlich

* Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?
Die Studierenden waren zunächst skeptisch, aber offen die neuen Methoden auszuprobieren. Inhalte zu erarbeiten klappt sehr gut – Interaktivität in den Aktivitäten selten, es sei den Sie ist angeleitet und sehr konkret formuliert („kommentieren Sie bis nächsten Freitag Artikel XY bezüglich Z“).
Nachteilig empfand ich, dass Studierende (offenbar aus chronischem Zeitmangel) zunächst wenig im Wiki arbeiten, und erst kurz vor Ende der Abgabefrist jeder Aufgabe exzessiv im Wiki-Artikel schreiben.

* Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?
Positives: flexibel: keine Anwesenheitspflicht, eigenes Tempo Inhalte zu erarbeiten und zu bearbeiten, wiederholtes Lernen möglich
Negatives: wenig direkte Rückmeldung von Seiten der Studierenden und Lehrenden (Rückmeldung war meist 1-2 Tage zeitversetzt)

* Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?
Studierende haben aktiv Inhalte erarbeite, die dauerhaft verfügbar sind – jeder kennt sich im Wiki aus und hat aktiv daran mitgemacht – die Motivation scheint höher das Wiki als Lernplattform zu nutzen. Als Mehrwert demnach ganz klar: Inhaltlicher Bezug zu allen Themen wird größer, weil die Studierenden selber für die Inhalte und die Art der Aufbereitung verantwortlich sind – und auch Verantwortung ggü. anderen Studierenden übernehmen
Nachteilig sehe ich den sehr hohen Betreuungsaufwand auf meiner Seite: Jedes Semester könnte ich das nicht leisten, da es doch schwieriger und aufwendiger ist, die Studierenden innerhalb eines solchen Seminars zufür kurzfristige Leistungen zu aktivieren (s.o.).

* Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?
Ich geben kleinschrittige Ziele vor, die die selbstständige Entfaltung zwar etwas behindern, aber einen durchgehenden Arbeitsfluss garantieren.

* Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)
Gut strukturierte übersichtliche Internetseiten, die Angebote zusammenfassen und Support bieten würden schon reichen

* Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?
Ich setze immer mal wieder Web 2.0-Elemente ein – wenn es inhaltlich passt, die Gruppengröße angemessen ist (wir betreuen z.T. Seminare mit 60 Leuten – da kann ich ein Tutorial hinzugeben, eine Arbeit im Wiki wäre aber meiner Einschätzung nach undenkbar) und das Medium das richtige ist um den Inhalt rüber zu bringen. Die Gesamttendenz geht meiner Meinung nach dahin, dass Web 2.0-Angebote zusätzlich zu Lehrveranstaltungen angeboten werden (z.B. als Videomitschnitte oder Audioaufzeichnungen einer Lehrveranstaltung oder als Selbststudium und Selbstprüfmedium).
Ein reines Online-Seminar mit bis zu 10 Personen fände ich mal spannend.

* Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?
Sie sollten ein gutes Zeitmanagement mit sich bringen und etappenweise arbeiten können. Dazu Aufgabenstellungen eindeutig verstehen können (im Idealfall schon Kenntnisse in einem Fach haben, dann fällt es oft leichter sich inhaltlich in dem Feld zu bewegen) und zuverlässig abgesprochene Medien (z.B. für Rückfragen etc.) nutzen. Außerdem sollten Sie mutig genug sein, die Medien ausprobieren zu wollen und Fragen zu stellen!
Ich selber muss kompetent in der Handhabe des Werkzeugs sein, hinsichtlich der Aufgabenstellung konkret und eindeutig sein und zuverlässig Feedback geben.

Liebe Grüße,
Sarah

8 08 2010
Luka Peters

Praxisbericht Web 2.0-Einsatz: Luka Peters

Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Im Laufe der Jahre habe ich den Medieneinsatz in Seminaren immer wieder sowohl dem jeweiligen Thema als auch den technischen Veränderungen angepaßt. Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit einem selbstprogrammierten LMS auf Basis eines Open-Source-CMS, über das die Seminar-TN Zugang zu geschützten Ressourcen hatten. Seitdem sind andere, auch kommerzielle LMS, z.T. von Unternehmen gesponsert, zum Einsatz gekommen. Die meisten LMS, wie Dokeos, Moodle oder ILIAS, bieten Kommunikationsfunktionen von Hause aus an, manche haben inzwischen auch einen Teil der sog. „Web 2.0-Technologien“ integriert – wenn auch oft mit geringerem Funktionsumfang als die freistehenden Applikationen. Im letzten Wintersemester habe ich neben den inzwischen üblichen Applikationen wie Foren, Datenrepositorium und Online-Tests folgende Tools eingesetzt:
– Wiki
– Blog
– Skype
– WizIQ
– mixxt
– LimeSurvey

Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der FH Düsseldorf bietet im Rahmen des Studiengangs „Multimedia- und Kommunikationsmanagement“ ein Spezialisierungsmodul „E-Learning“ an. Zu den Lernzielen gehört die Fähigkeit, E-Learning-Konzepte und verschiedene Szenarien ökonomisch zu bewerten. Um dies zu können müssen die Studierenden aber auch Kenntnisse didaktischer Konzeption und einsetzbarer Technologien haben.

In einer Blended-Learning-Veranstaltung konnte ich Theorie und Praxis eng verzahnen und damit die breitgefächerten Seminaranforderungen erreichen.

Folgende Plattformen habe ich eingesetzt:
– mixxt.de (http://elearning-wirtschaft.mixxt.de) für eine gemeinsame soziale Lernplattform (SLE, Social Learning Environment). Mixxt integriert verschiedene Kommunikations- und Kooperationsmittel wie z.B. Wiki, Foren, Gruppen und Gruppenforen sowie Gruppennachrichten und RSS
– ein Seminar-Weblog (http://www.elarning-wirtschaft.de)

Und so wurden die verschiedenen Applikationen im Seminar eingesetzt:

– Wiki: Das in der SLE integrierte Wiki diente alternierend zur gemeinsamen Recherche und Problemlösung sowie zur individuellen Aufgabenbearbeitung. Die Studierenden lernten auf diese Weise sowohl kooperatives Arbeiten in Online-Umgebungen als auch Prozesse und Methoden individuellen Wissensmanagements kennen.
– Blog: Im wöchentlichen Rotationsverfahren war jede/r TN verpflichtet, einen Blogbeitrag zu einem Thema zu schreiben, das ihn oder sie gerade besonders beschäftigte. Es gab dabei keine inhaltliche Bindung an das Seminar, diese verstärkte sich aber im Laufe des Semesters von selber, wie die Blogbeiträge zeigen.
– Skype wurde von uns wöchentlich für Konferenzgespräche genutzt. Im zweiten Semesterdrittel gab es eine zusätzliche Skypesprechstunde, in der die Studierenden ihren individuellen Leistungsstand erfahren und weitere Fragen klären konnten. Ein besonderer Veranstaltungstermin war als Debattierclub konzipiert: Zwei Gruppen standen sich mit kontroversen Meinungen gegenüber und debattierten per Skype. Im Anschluß wurden die Vor- und Nachteile einer solchen virtuellen Debatte und die Grenzen digitaler Dialoge diskutiert.
– Mit WizIQ (www.wiziq.com) nutzten wir ein webbasiertes Werkzeug für virtuelle Klassenräume. Hier ist es möglich, per Audio und (wahlweise) Video in Gruppen ohne quantitative Begrenzung zu kommunizieren. Die Studierenden stellten eigene Vorträge vor, es gab einen Gastvortrag, und ich konnte zweimal ursprünglich für die Präsenzveranstaltung vorgesehene Referate stattdessen online präsentieren. Die interaktiven Whiteboards ermöglichen auch hier kooperatives Arbeiten, zum Beispiel durch die gemeinsame Entwicklung grafischer Darstellungen von Problemfeldern und Lösungen.
– Mit dem OpenSource-Werkzeug LimeSurvey und des Dienstes LimeService (http://www.limesurvey.org und https://www.limeservice.com/) haben die Studierenden ein Fragebogendesign online umgesetzt, die Umfrage durchgeführt und ausgewertet.

Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?

Generell hatten die Studierenden während der Präsenztermine zu Anfang des Semesters Zeit, sich mit der Handhabung vertraut zu machen und Fragen zu stellen. Keine Anwendung wurde ihrerselbst wegen verwendet, sondern stand untrennbar im Kontext des Seminarthemas und der zu bewältigenden Aufgaben. Daher wurde ein „le technique pour le technique“ vermieden und der Fokus immer wieder auf die Frage gerichtet, wie man mit digitalien, multimedialen Medien die definierten Ziele erreichen kann.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?

Die Studierenden sind zum Teil anfangs mit einer gewissen Scheu an den aktiven, produktiven Einsatz der Anwendungen herangegangen, haben aber immer ihre Aufgaben bewältigt. Ich habe die Offenheit, mit der Fragen gestellt wurden, sehr positiv erlebt, es hatte niemand Angst sein oder ihr Gesicht zu verlieren. Im Verlauf des Semesters entwickelte ein Teil der Studierenden Experimentierfreude (auch sonst wenig genutzte Features wurden ausprobiert) und kritische Diskussionen zu verschiedenen Aspekten kamen ebenfalls zustande. In anderen Worten: Nicht nur die Partizipation, sondern auch das selbstständige Denken wurde angeregt.

Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?

Besonders die Arbeit mit dem Wiki wurde als Herausforderung bezeichnet. Wie auch beim Blog hatten manche Angst davor, sich vor anderen „zu blamieren“. Zugleich äußerten die Studierenden aber auch, dass die Lernphase im Umgang mit den Applikationen kurz, die Lernkurve daher steil war und die kooperative Arbeit im Wiki als sehr bereichernd im Lernprozess empfunden wurde. Die Kommunikation mit Skype war den Studierenden geläufig; neu war für sie allerdings der Einsatz dieses Tools im direkten Seminarkontext und sie bewerteten die Entwicklung neuer Formate, wie den Debattierclub und die Onlinesprechstunde, positiv. Besonders günstig wurden in der Evaluation die Online-Konferenzen bzw. virtuellen Klassenräume bewertet. Hier gefiel den Studierenden vor allem die gemeinsame Arbeit an den Whiteboards sowie die Möglichkeit, Gastdozenten virtuell zu treffen.
Die regelmäßige Arbeit am Weblog führte laut Evaluation zu einer bewußteren Auseinandersetzung mit eigenen Inhalten und Stilen.
Darüberhinaus wurde die Flexibilität des Seminarkonzepts gewürdigt, die es ermöglichte, ursprünglich für den Präsenztermin vorgesehene Elemente stattdessen online durchzuführen. Die Möglichkeit durch aufgezeichnete virtuelle Konferenzen diese nochmals anzusehen, kam ebenfalls gut an. Und natürlich war es für alle Beteiligten angenehm, Fahrzeiten sparen zu können.

Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?

Vorteile und Mehrwerte:
– Erlangung zusätzlicher Medienkompetenzen, die zukünftig in verschiedenen Lebens- und Berufskontexten genutzt werden können.
– Zusätzliche organisatorische und kommunikative Kompetenzen, insbesondere durch die Abstimmung der gemeinsamen Arbeit am Wiki sowie der Arbeit am Fragebogen.
– Zeitersparnis durch Online-Termine
– Online-Gastvorträge ohne Reisekosten
– Dank verschiedener Kommunikationskanäle kann man die Studierenden sehr intensiv betreuen.

Probleme:
– Wer an Skype- oder WizIQ-Terminen teilnehmen will, braucht einen Netzzugang mit guter Bandbreite. ISDN und im Wohnheim geteiltes WLAN machten Probleme.
– Unter Umständen muß in Hardware investiert werden, z.B. sind Headsets besser als integriertes Mikro mit Lautsprechern am Laptop. Und wer zu Hause keinen Rechner oder keinen Internetzugang hat lernt den „digital divide“ kennen.
– Die Arbeit mit einem Wiki kann Studierenden zu copy&paste von anderen Webseiten (vor allem aus Wikipedia) verleiten. Es ist wichtig, den Studierenden den Vorteil deutlich zu machen, den sie durch tiefere Recherchen und eigenständiges Denken haben. Zusätzlich empfiehlt sich zumindest eine stichprobenartige Kontrolle der eingepflegten Inhalten (z.B. mit Hilfe von Plagiatfindern). Das bedeutet aber natürlich Mehraufwand.
– Das Seminarkonzept muß gut durchdacht sein, damit es funktioniert. In diesem Fall war es wegen der starren curricularen Vorgaben etwas extrem, denn wir hatten jede Woche einen Präsenz- und zwei Online-Termine. In der Regel hat man ja eher blockartig organisierte Seminare mit längeren Onlinephasen.
– Die Lehrperson sollte selber gut vertraut mit den Anwendungen sein, die er/sie einsetzen will, um kompetent den Studierenden helfen zu können. Hier ist also ggf. mit zusätzlicher Vorbereitungszeit zu rechnen.
– Stellt die Hochschule, wie in diesem Fall, keine geeignete Infrastruktur zur Verfügung, muß die Lehrperson auch diese Dinge selber aufsetzen können (z.B. ein Weblog installieren). Hier sind daher im schlechtesten Fall weitere Kompetenzen und Zeitressourcen nötig.
– Es ist sehr wichtig, die Zeiten, zu denen man per Skype, E-Mail oder Forum erreichbar ist, eindeutig zu definieren. 12-Stunden-Reaktionszeiten bei vermeintlichen Problemen haben sich auch als sinnvoll erwiesen, damit die Studierenden die Möglichkeit haben, erstmal selber nach einer Lösung zu schauen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie?

Man sollte den Studierenden Zeit zur Einarbeitung lassen, nach Möglichkeit die Angst vor den ungewohnten Anwendungen und besonders vor der produktiven Online-Arbeit nehmen, Raum zum Experimentieren lassen und nicht zu viel steuern, damit Neues entstehen kann. Dies erfordert von den Lehrenden andererseits aber auch den Mut, sich auf Experimente und Unverhergesehens einzulassen. Aber jeder Lehrende ist auch Lernender.
Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich vor allem im organisatorischen und infrasturkturellen Bereich seitens der Hochschulen. Da gibt es viel Nachholbedarf, die Lehrenden werden oft nicht oder nicht genug unterstützt.

Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung …)

Da ich mit digitalen Medien schon sehr lange vertraut bin, brauchte ich glücklicherweise keine Unterstützung bei dem Einsatz dieser Anwendungen. Generell würde ich aber empfehlen:
– Hochschul-Lernplattformen, die lebendige Kommunikation und Kooperation ermöglichen, am besten in Vernetzung mit den gleichen Studiengängen an anderen Hochschulen
– E-Learning-Center, die die Lehrenden umfassend auf solche neuen Lehr- und Lernformen vorbereiten
– Lehrende, die nicht müde abwinken, wenn Kollegen sie von den Vorteilen für alle Beteiligten an partizipativen Lehr-Lernprozessen überzeugen wollen, sondern die mehr Leidenschaft für die Lehre zeigen
– Hochschulverwaltungen, die die Notwendigkeit zügiger finanzieller Ausstattungen für die Infrastuktur erkennen

Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?

Die Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten hängt nicht zuletzt von Fach und Seminarthema ab. Ich werde auf jeden Fall die Einsatzmöglichkeiten partizipativer Applikationen weiter untersuchen und ausbauen. In einem anderen meiner Seminare haben die Studierenden der Medienwissenschaft eigene Podcast-Episoden konzipiert, aufgenommen, geschnitten und veröffentlicht. Das ist ein Beispiel für fachabhängige Konzepte.
Ich sehe derzeit keine Gesamttendenz, denn Lehrende halten sich an deutschen Hochschulen noch viel zu sehr mit dem Einsatz partizipativer Methoden zurück. E-Learning bedeutet für viele noch immer die Aufzeichnung und das Streaming ihrer Vorlesung.

Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie selbst?

Partizipation in der Lehre ist i.d.R. sowohl für Lehrende wie auch für Lernende noch ungewohnt. Dieser Ansatz erfordert erweiterte kommunikative und organisatoriche Fähigkeiten.
Die Studierenden bringen in der Mehrzahl ausreichend Vorkenntnisse im Umgang mit gängigen Web-2-Applikationen mit und können diese meist auch schnell auf neue Anwendungen transferieren. Der Einsatz dieser Tools für die Erreichung der eigenen Lernziele ist aber noch ungewohnt. Daher ist neben einem guten Maß Experimentierfreude auch eine klare Lernzieldefinition und eine regelmäßige begleitende Evaluation dazu wichtig. So wird verhindert, dass das „Spielen“ mit den technischen Möglichkeiten zum Fokus wird. Ähnliches gilt für die Lehrenden, die ebenfalls ihren Lehrprozess regelmäßig überprüfen müssen und sich auch der Frage stellen sollten (spätestens am Ende des Semesters), ob die eingesetzten Mittel bei der Erreichung der gesetzten Ziele hilfreich oder hinderlich waren.
Partizipatorisches Lehren und Lernen verlangt nach mehr Flexibilität (besonders der Lehrenden), denn durch die forcierte selbstgesteuerte Zusammenarbeit der Lernenden können neue Situationen im Seminar entstehen, z.B. unerwarteter Diskussionsbedarf, unvorhergesehene technische Schwierigkeiten etc.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: