Wie kommt das E-Learning in die Hochschule?

8 06 2010

Anlass für diesen Artikel ist eine Diskussion, die sich in/über Twitter entwickelte. Ein Student schrieb dort, er wünsche sich mehr Web 2.0 an seiner Uni. Auf meine Nachfrage, ob er gerne mehr über Web 2.0 hören möchte oder gerne in seinen Veranstaltungen und digitalen Hochschulangeboten mehr Web 2.0-Möglichkeiten wünsche, ergänzte sogleich ein Kollege von mir die Frage „oder beides?“. Daraus entspann sich eine rege Diskussion unter – zunächst – uns dreien, für die die Twitter-140-Zeichen-Postings schnell nicht mehr ausreichten. Passenderweise erschien heute auf SpiegelOnline ein Beitrag zum Thema digitales Studium (siehe unten) – daher ist der folgende Beitrag gleich doppelt aktuell, wenn auch doch ein alter Hut..

Eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt, ist: Wie kommt das E-Learning eigentlich in die Hochschule? Oder, um uns mal ketzerisch und ins eigene Fleisch schneidend zu fragen: Wer will und braucht E-Learning-Angebote eigentlich? (Bei dieser Gelegenheit fällt wieder einmal auf, dass wir den Begriff E-Learning eigentlich nicht gerne verwenden – aber zu diesem Thema werden wir in naher Zukunft unsere Überlegungen hier ins Blog stellen, das würde jetzt den Rahmen sprengen.) Wir stellen zunächst also die Frage nach der Henne und dem Ei – was war zuerst da? Ein Bedarf von Seiten der Studierenden, der doch recht häufig an uns herangetragen wird, oder ein Angebot zur Lehr- und Lernunterstützung, das angenommen und weitergetragen wird?

These 1:
Studierende wissen zu wenig über die Möglichkeiten, die Online-Lernangebote Ihnen eigentlich bieten (könnten). Gleichzeitig sind sie als Gruppierung nicht die Digital Natives, für die wir sie gerne halten.
Immer wieder zeigt sich, dass die Studierenden als Zielgruppe von E-Learning-Angeboten und -Unterstützung/Support wenig berücksichtigt werden. Dabei sind sie die eigentliche „Kundschaft“ der Angebote. Lehrende setzen zwar die Angebote um, aber betroffen sind doch letztendlich die Studierenden. Die gehen aber ihrerseits mit den Möglichkeiten der inzwischen nicht mehr „neuen Medien“ nicht so selbstverständlich um, wie wir ihnen gerne unterstellen. Das zeigt sich immer wieder in Gesprächen mit Studierenden selbst, aber auch mit engagierten Lehrenden, die dies ebenfalls wahrnehmen.

These 2:
Lehrende haben oft Angst vor Mehrarbeit oder Überforderung, die Ihnen durch den Einsatz von Online-Bausteinen in Ihrer Lehre entstehen könnte. Sie haben maximal Grundkenntnisse über die vorhandenen Techniken, die aber nicht ausreichen – didaktische Beratung und Unterstützung sind notwendig. Andererseits sind viele Möglichkeiten unbekannt und E-Learning wird als „großes Unbekanntes“ und damit eher als bedrohlich statt als nützlich wahrgenommen.

Das ist sicherlich auch durch die Rasanz bedingt, mit der sich „das Internet“ und die Möglichkeiten digitaler Lehr- und Lernunterstützung weiterentwickeln.

These 3:
Studierende haben Bedarfe – die ganz sicher noch genauer unter die Lupe genommen werden müssen als bisher, damit wir ihnen nicht Anforderungen in den Mund legen, die gar nicht vorhanden sind.
Wenn Studierende diese Bedarfe artikulieren und transparent machen können und Lehrende nicht nur technisch, sondern auch didaktisch unterstützt werden, kann E-Learning an Hochschulen erfolgreich sein.
Es kann und soll nicht darum gehen, überall und immer Medien einzusetzen, sondern die Möglichkeiten, die vorhanden sind, zielgerichtet und angemessen einzusetzen. Dass nicht nur Lehrende, sondern auch Studierende sich manchmal durch das „digitalen Zeitalters“ überfordert fühlen, zeigt der aktuelle SpiegelOnline-Beitrag zum Thema „Kritische Blicke auf das digitale Studium“.

These 4:
Das Grundproblem besteht aber nicht nur in mangelnder Information und Kommunikation auf beiden Seiten, sondern auch in einer Geringschätzung der Lehrtätigkeit.
Und hier stoßen wir auf ein Grundproblem: Die Wertschätzung von Bildung im Allgemeinen. Damit würden wir ein Riesenfass aufmachen – aber eine Rolle spielt das trotzdem.

–> Zurück zur Grundfrage: Wie kommt das E-Learning denn nun in die Hochschule? Ist es letztendlich doch nur eine Frage der Unterstützung? Sind am Ende die Entscheidungen der Hochschulleitungen von größerer Wichtigkeit als die Bedarfe der Studierenden? Sind die Bedarfe überhaupt vorhanden? Und: Sind Unis nicht auch Service-Dienstleister, auch wenn Sie sich nicht so sehen? Was macht es so schwer, sich nach den Bedarfen der Kunden zu richten – was jede Unternehmen über kurz oder lang tun müsste, um zu überleben?

Entgegen dem Eindruck, den der Spiegel-Artikel vielleicht vermittelt, ist ein sinnvoller Einsatz digitaler Medien an der richtigen Stelle durchaus möglich  – man muss vielleicht nur nicht in solchen Extremen denken.

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18 responses

8 06 2010
Andreas Sander

Ein sehr schöner Blogartikel, danke schon mal hierfür.

Nun zum Inhalt und zur Diskussion:

Also ich unterscheide grundsätzlich zwischen eLearning und kollaborativen Web 2.0 – Angeboten die jeder nutzen kann. eLearning ist für mich ein Angebot im Netz, das Vorlesungsunterlagen, Übungen etc. bereit hält, die ich mir nach der Vorlesung (meistens alleine) ansehen & bearbeiten kann.

Ich finde eLearning (in meinem Kontext) ist eine super Sache, aber mir geht es eher um die Möglichkeiten des Web 2.0.

Die Thesen 1 – 3 unterstütze ich voll und ganz. Bei These 4 bin ich mir nicht ganz sicher.

Ich sehe immer wieder Seminare in denen Studenten wissenschaftl. Papers lesen müssen und diese dann zusammenfassen und präsentieren. Wäre es vielleicht nicht interessanter Gruppen zu bilden, die dann gemeinsam ein Thema erarbeiten. Zudem fehlt mir die Öffnung nach außen, dass man nicht nur im stillen Kämmerlein Sachen zusammenfasst und diese dann präsentiert. Ich fände es interessanter, wenn es um mehr Teamarbeit, Kollaboration etc. ginge und die Diskussion mit Experten außerhalb des Uni-Campus.

In diesem Zusammenhang könnten dann Web 2.0 – Tools hilfreich sein. Google-Docs oder Wikis zum gemeinsamen erarbeiten der Inhalte. Twitter, Blogs etc. zur externen Kommunikation.

Ich denke auch, man sollte es nicht übertreiben. Außerdem geht es mir nicht um das „stupide“ Anwenden von Web 2.0 – Tools, sondern um ein didaktisches Konzept das eine sinnvolle Arbeit mit solchen Tools möglich macht und einen Nutzen hat.

Denn ohne passendes Konzept werden die Studierenden und auch die Lehrenden sehr schnell fragen „Wozu brauchen wir jetzt diese Tools?“.

Zu These 1:

Ich stimme dieser These auf jeden Fall zu. Nicht jeder Student (nicht mal jeder Informatikstudent) ist vertraut mit den Möglichkeiten des Web 2.0. Viele bzw. alle kennen Wikipedia, aber Seiten bearbeitet, Blogs geführt, getwittert etc. haben sehr, sehr wenige. Das ist zumindest mal meine Erfahrung.

Ich denke These 3 ist eine Auswirkung von These 1. Wie sollen Studenten das Bedürfnis haben kollaborativ mit anderen zu arbeiten, wenn sie gar nicht wissen, dass so etwas möglich ist?

Ich denke, wenn den Studenten klar wird, welches Potential (auch für ihr Studium) in diesen Tools in sinnvoller Kombination mit guten Konzepten steckt, dann werden sie diese Potential auch einfordern. Nicht alle, aber viele.

Der Schlussatz des Blogposts ist sehr schön. Ich denke mit Extremen schreckt man nur ab. Wenn man aber hier und da, an Stellen an denen es passt, Web 2.0 – Tools vorstellt, die diese Arbeiten erleichtern können (z.B. Google Docs oder Wikis beim Erstellen von Seminararbeiten etc.), dann wäre das für mich die perfekte Art Web 2.0 im Hochschulkontext zu nutzen.

8 06 2010
ponyQ

Hallo ihr drei!

Ich habe die Diskussion via Twitter leider nicht mitgekriegt – umso besser, dass ein Blogpost daraus entstanden ist.

Als Fernstudent (Uni Hagen) kann ich nicht viel dazu sagen, wie wohl das eLearning an die Hochschule gekommen ist – es war definitiv jedenfalls schon vor mir da, hauptsächlich als Moodle-Plattform.

Berichten kann ich aber, wie das eLearning an mich als Student gekommen ist.

zu These 1:
„Studierende wissen zu wenig über die Möglichkeiten…“

Ich habe gar nichts darüber gewusst: bin nicht mal annährend zu den Digital Natives zu zählen, hatte keine Erfahrung mit Foren, Blogs, Uploads, Downloads… und auch eine schriftliche (theoretische) Einführung konnte daran nicht viel ändern.
Zuerst hab ich dementsprechend – wie viele andere Mitstudierende – die Angebote auf Moodle nur genutzt, so weit es sich nicht umgehen ließ, z.B. weil manche Vorlesungen halt nur dort runterzuladen waren.
Inzwischen habe ich die Möglichkeiten des eLearnings absolut zu schätzen und demzufolge auch zu nutzen gelernt… ohne weitere „Meta-Anleitung“, einfach, weil die Möglichkeiten eben gegeben waren:
– Plichtlektüre und vertiefende Texte ohne Umweg in die Bibliothek und ohne Wartezeiten
– Videovorlesungen
– interaktive „Lernspiele“
– Möglichkeiten des (zeitunabhängigen) Austauschs zu fachbezogenen Fragen in den entsprechenden Foren – verfolgt und bei Bedarf unterstützt von Mentoren oder den Lehrkräften selbst
Durch die „zwanglose permanente Verfügbarkeit“ des Angebotes konnten die Studierenden sich ihren Vorerfahrungen und Fortschritten entsprechend „einarbeiten“.
Auf dieser Grundlage eines relativ unverbindlichen Angebotes haben sich dann im Laufe der Zeit auf Seite der Studierenden Ideen für „gemeinsames eLearning“ entwickelt, zu denen irgendwann dann irgendwer irgendwo ein passendes web 2.0.-tool ausgegraben hat…
Und nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ bloggen die anfänglich Unbedarften (oft im Stil eines Lerntagebuches), verfassen zusammen google-documente, verpodcasten in Gruppen ihre Zusammenfassungen usw.
Die offizielle Lernplattform betrachten viele der „heranwachsenden“ eLearner inzwischen als zu „behäbig“ und unübersichtlich – aber neue Ideen nehmen auch weiterhin oft dort ihren Anfang.

zu These 2:
„Lehrende haben oft Angst vor Mehrarbeit oder Überforderung…“

Dazu kann ich natürlich nicht viel sagen, weil sich die Arbeit der Fern-Lehrenden überwiegend auf diesen Raum „eLearning“ bezieht.
Sicher ist:
Der interaktive Austausch mit den Studierenden kann phasenweise ziemlich anstrengend werden – vor und v.a. nach den Klausuren häufen sich z.B. kritische Rückmeldungen zu inhaltlichen und didaktischen „Knoten“ in der Lehre – die hysterischen müssen von den konstruktiven Anmerkungen getrennt werden, manche Kritikpunkte erweisen sich möglicherweise als berechtigt und sollten zugunsten der nächsten Semester „lehrtechnisch“ vielleicht auch umgesetzt werden…
– die didaktische Kompetenz – falls vorher nicht vorhanden – wächst an ihren Aufgaben dann hoffentlich schnell genug mit. 🙂

Die Präsenz der Lehrkräfte im Rahmen des eLearnings macht die Sache für Lerner und Lehrer ergiebig – setzt aber bei den Lehrern Kompetenzen in den Bereichen „soziale Interaktion“ voraus (nach der Vorlesung verschwinden und auf Feedback dankend verzichten mag einfacher sein).
Technische Kenntnisse sind demgegenüber wahrscheinlich schneller zu erwerben.

zu These 3:
„Studierende haben Bedarfe…“

… die sich meiner Erfahrung nach erst aus dem Umgang mit den „Grundmöglichkeiten“ ergeben.
Gefragt sind in meinem Studiengang:
– zunehmend Online-Vorlesungen und Audio-Material (Bügeln und Studieren, Lernen im Auto, Wald-Vorlesungen) – wobei die Studierenden ständig Wege suchen und finden, ihren Bedarf kooperativ und selbstorganisiert zu decken…
– und das wahrscheinlich Übliche: Zusammenfassungen, Klausurfragensammlungen, Links zu Zusatzmaterial wie z.B. Vorlesungen anderer Unis, Wikis, Glossare…

zu These 4:
„Das Grundproblem besteht aber nicht nur in mangelnder Information und Kommunikation auf beiden Seiten, sondern auch in einer Geringschätzung der Lehrtätigkeit.“

Ich bin nicht ganz sicher, ob ich diese These richtig verstanden habe – was ist denn mit „Geringschäzung der Lehre“ gemeint ?
Vielleicht passt dazu der Umstand, dass einige Mitstudierende das Angebot eLearning als „Bringschuld“ der Hochschule ansehen – und Tendenzen zeigen, Informationen zu konsumieren statt sich Inhalte selbst (unter Anleitung einer Lehrkraft) zu erarbeiten… was sicher nicht der eigentliche Sinn des eLearnings ist – trotz aller „Dienstleistungsgedanken“.

„wall of text“ – hoffentlich könnt ihr was damit anfangen. 😉
LG,evi.

8 06 2010
Oliver Tacke

Erst einmal kurz und und knapp, bin gerade ziemlich müde:

zu These 1: Ich habe den Eindruck, viele Studierende wissen gar nicht, dass und wie man webzwonullige Anwendungen sinnvoll zum Lernen nutzen könnte. Das sehe ich wie Andreas. Gilt aber IMHO auch für monolithische Lernklötze wie Moodle. Das wird zudem, so mein Gefühl, oft auch einfach als etwas angesehen, was man jetzt auch noch lernen soll…

Ergo: Studierende müssen auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden – der Mehrwert muss klar werden.

zu These 2: O-Ton einer befreundeten Lehrkraft an einer, die ich häufiger mal mit Anregungen in Form von Links zu Videos usw. malträtiert habe: „Das ist echt spannend, aber dafür fehlt mir einfach die Zeit!“ Weiterhin stelle ich fest, dass viele einfach „Angst“ vor dem Umgang mit Technik haben – selbst nie benutzt, warum soll ich das jetzt lernen, bin ja auch was geworden, sehe den Mehrwert nicht, lasse ich.

Ergo: Lehrende müssen auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden – der Mehrwert muss klar werden.

zu These 3: E-Learning (ob nun mit oder ohne 2.0) auf Teufel komm raus wird scheitern. Wer nicht will, der will nicht. Da hatte doch mal jemand die Idee der Personal Learning Environments… Jedem das, was er zum Lernen braucht – nur kostet das personelle und finanzielle Ressourcen.

zu These 4: Du meinst, die Lehre wird im Vergleich zur Forschung an Unis zu wenig Bedeutung beigemessen? Definitiv, zumindest in meinem Umfeld. Das liegt aber nicht an den Lehrenden – mag auch vorkommen, aber das will ich nicht unterstellen – sondern am ganzen System. Bei Berufungsverfahren wird doch meist nur auf die Publikationen geschaut, welche Qualifikation und welche Leidenschaft man für die Lehre mitbringt, interessiert da keinen. Selbst schon erlebt. Und später wird man auch vornehmlich durch Forschung „berühmt“. Da kann man zumindest nachvollziehen, dass da einige lieber den Fokus auf Publikationen und Drittmittel legen.
Das würde allerdings nicht erklären, warum es an Schulen nicht besser aussieht. Da werden die Brötchen mit Lehren verdient, das sollte ja eigentlich die Berufung der Leutchens dort sein. Weiß daher nicht, ob die These pauschal gültig wäre.

9 06 2010
thēleprompt · E-Learning – zur Pathogenese eines ungeliebten Begriffs

[…] richtig überzeugt und gern spricht niemand von E-Learning. Zu sehr ist damit die Vorstellung verbunden, automatisches Lehren und automatisches Lernen […]

9 06 2010
cakruse

Innerhalb eines Tages so ausführliche und durchdachte Kommentare zu bekommen ist einfach super! Vor allem zu diesen Fragen aus Sicht der Studierenden mal genaueres zu hören ist super.

Zunächst einmal zu Deiner Anmerkung, Andreas, dass Du E-Learning und Web 2.0 unterscheidest. Grundsätzlich würde ich Dir Recht geben, dass E-Learning keinesfalls mit Web 2.0-Anwendungen gleichzusetzen ist. Allerdings bin ich einerseits mit dem Begriff E-Learning nicht glücklich (wie schon angedeutet – aber das ist nochmal ein Thema für sich) und andererseits beinhaltet für mich aus hochschuldidaktischer Sicht E-Learning auch zunehmend kollaborative Techniken und insbesondere auch das, was wir unter Web 2.0 zusammenfassen. Die Zeiten von Web Based Trainings sind nicht ganz vorbei, aber die Tendenz geht im E-Learning ganz klar weg von einer reinen Mensch-Computer-Interaktion hin zu einem gemeinsamen Arbeiten über das Netz. Allerdings – und daher kommt vielleicht auch unser unterschiedliches Verständnis – wird das immer noch nicht, nicht nur an Hochschulen sondern auch in Unternehmen, nur sehr partiell umgesetzt, so dass diese Meinung zwar in der Theorie angekommen ist, aber durch fehlende Umsetzung in der Breite dem E-Learning in dem Sinne nicht zugerechnet wird. Oder umgekehrt gedacht: Der Begriff E-Learning ist überholt, beinhaltet für die meisten mehr Alleine-Arbeiten mit dem PC als Zusammenarbeit im Netz – und daher brauchen wir auch ganz dringend einen neuen Begriff dafür (Wasser auf meine Mühlen!). Und letztendlich kommen auch die Lernplattformen weg von einem reinen „Anbieten von Materialien“ hin zur Unterstützung der Zusammenarbeit – und können zunehmend durch andere Web 2.0-Angebote ergänzt werden, so dass tatsächlich möglich ist, sich das für sich passende herauszupicken.

Euren Erfahrungen und Eurer Meinung, Andreas und Oliver, zu These 1 stimme ich zu – wenn eigene Erfahrungen mit den Anwendungen bekannt sind, dann eher als passiver Konsument denn als eigener Anwender. Wir haben (an einer anderen Hochschule) mal eine Umfrage zur aktiven und passiven Nutzung von Youtube, Wikipedia, Blogs usw. gemacht und da spiegelte sich genau das wieder. Dass „Klötze“ wie Moodle oder eben auch Stud.IP oft noch mehr als „zusätzliche Lernaufgabe“ angesehen werden – ja! Daher sind wir auch gerade dabei, Infos und Materialien „mundgerecht“ zu zerlegen, um zumindest den grundlegenden Einstieg und den Nutzen für bestimmte Situationen transparenter zu machen.

Was mich an dieser Stelle interessieren würde, Evi: Du sagst, dass vieles aus einer Notwendigkeit heraus seinen Anfang nahm (die Vorlesung gab es eben nur da) – hättest Du Dir mehr Unterstützung und/oder Information gewünscht oder wäre das an irgendeiner Stelle hilfreich gewesen? Ich meine das gar nicht mal als schriftliche Anleitung, aber als kurzen Input, was eben möglich ist – oder wäre das zuviel gewesen? Die Frage ist für mich immer, was ist too much für die Studierenden und was hilft ihnen bzw. regt sie dazu an, sich Gedanken über die Benutzung von E-Learning/Web 2.0 zum Studieren zu machen.
Der von Dir erwähnte Mehrwert, Oliver, ist (nicht nur) an dieser Stelle ein ganz wichtiges Stichwort. Ohne Mehrwert ist E-Learning/ die Benutzung von Web 2.0-Angeboten aufgepfropft und vielleicht sogar als überflüssig zu bezeichnen. Nur: Auf welche Weise kann man Studierenden und wie Lehrenden den Mehrwert transparent machen, wenn das Einarbeiten/Bekanntmachen und die erste Benutzung ja doch so oder so erstmal Mehrarbeit sind? Da fehlen mir irgendwie noch die guten Ideen… (das betrifft jetzt These 1 und These 2).

Zu These 3: Ja, auf Teufel kommt raus funktioniert nicht (wie immer eigentlich) – PLE wären sicherlich eine Möglichkeit, denjenigen, die gerne wollen, die entsprechenden Möglichkeiten anzubieten. Aber das steckt – auch aufgrund der von Dir erwähnten Ressourcenfrage – noch sehr in den Kinderschuhen. Und es muss doch andere Möglichkeiten geben, E-Learning und Web 2.0 sinnvoll in die Uni zu integrieren (denn dass die Ressourcen nicht auf das notwendige Maß gesteigert werden, steht vermutlich außer Frage.)

Und zu These 4: Evi, ich meinte ursprünglich nicht die Geringschätzung durch die Studierenden, wobei das wieder eine eigene Henne-Ei-Frage ist: Die „Allgemeinheit“ sieht Forschung wichtiger als Lehre – das kriegen die Lehrenden vermittelt – das transportieren sie vllt. und die Studierenden kriegen da smit und werden zu Konsumenten…
Ja, die Geringschätzung liegt ganz sicher nicht ursprünglich an den Lehrenden – das ist ja nicht nur beim Berufungsverfahren so, sondern geht auch schon viel früher los. Ich habe mich vorgestern noch mit Thu darüber unterhalten, dass schon beim Promovieren in den meisten Fällen gefordert wird, dass eine hochwissenschaftliche Arbeit verfasst wird – die letztendlich von der Fachcommunity gelesen und verstanden wird. Das ist in anderen Ländern anders – da besteht die Forderung, eine solche Arbeit so zu schreiben, dass jeder Interessierte sie verstehen kann. Im ersten Fall, also in Deutschland, wird doch dann Wissenschaft für die Wissenschaft um der Wissenschaft Willen produziert/betrieben – und das zieht sich dann so weiter und spiegelt sich letztendlich auch in den Berufungsverfahren wieder. Und dass Forschung mehr geschätzt wird als gute Lehre – ja, das ist immer noch so. Was die Frage nach der Schule angeht: Es ist doch immer noch so, dass Schule und Universität als zwei sich kaum berührende Systeme gesehen werden (was faktisch überhaupt nicht so ist und was auch fatale Auswirkungen an anderen Stellen hat).

9 06 2010
Oliver Tacke

@Caro
Wie man das den Lernenden zeigt, dass es nützlich sein kann? Machiavellistisch: Als wohlwollender und weiser Diktator 🙂 Anders machte das Jean-Pol Martin beispielsweise auch nicht mit LdL. Am Anfang gab es oft Vorbehalte – zu viel Arbeit, usw. Die nahm er zur Kenntnis, zog LdL aber trotzdem durch. Recht schnell merkten seine Schüler aber, dass es tatsächlich etwas bringt; kann man sich in verschiedenen Videos selbst von überzeugen, zum Beispiel hier: http://jeanpol.wordpress.com/2010/05/18/ldl-vietnamesisch-untertitelt/. Dazu muss es, das E-Learning, aber auch etwas bringen!

Und: Man kann auch „hochwissenschaftlich“ arbeiten und trotzdem verständlich schreiben. Oft scheint es aber in der Tat so zu sein, dass man sich den Anschein von Wissenschaftlichkeit mit möglichst komplizierter Sprache erkaufen kann. „Die Deutschen, und nicht nur sie allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen.“ (Goethe) Das Thema wird sehr schön diskutiert in Daum, Andreas (2006): Die Popularisierung von Wissenschaft im 19. Jahrhundert, in: Faulstich, Peter (Hrsg.): Öffentliche Wissenschaft, Bielefeld, S. 33-50.

Schule und Uni als getrennte Systeme: Yup! Daher unterrichtet Christian Spannagel als Professor auch parallel an einer Schule (um selbst den Anschluss an die Praxis nicht zu verlieren), daher schlug ein ehemaliger Mathe-Lehrer vor, auch Lehrer Erstsemestervorlesungen, hier speziell Lineare Algebra I oder sowas, halten zu lassen (weil die sich mit den Problemen in der Schule auskennen). In meinen Augen eine nette Verzahnung.

Thu kann von der Diskussion ja was am 20.07. aufgreifen und weiter damit arbeiten 🙂 Und zum Thema E-Strategie können wir uns sowieso mal mit @AlexanderPerl zusammensetzen…

9 06 2010
thuunlimited

(Ich hol schonmal den Merkzettel raus…)

@Oliver, LdL ist eine schöne Methode, und ich stimme Dir zu, dass man dafür schon einen langen Atem benötigt, um Lernende vom Nutzen zu überzeugen. Ist ein bisschen so wie beim Sport, nicht wahr? Nur wer trainiert, macht auch Fortschritte. Man könnte das Gehirn quasi auch als Muskel betrachten 😉

Ich sehe die Schwierigkeit allerdings schon in dem vorausgehenden Schritt, nämlich als Lehrende/r überhaupt zu erkennen, worin denn nun der Mehrwert (für sich selbst und für die Lernenden) steckt. In einem Beratungsgespräch kam dieses Problem neulich mal wieder auf. Für jemanden, der sich noch nie mit Didaktik bzw. Lerntheorien beschäftigt hat, ist dieser Mehrwert schwer greifbar. Die Rückmeldung kam damals von jemandem, der schon den einen oder anderen Kurs bei uns besucht hatte. Er berichtete davon, wie es ihm erst nach einiger Zeit klarer wurde, was es denn nun für die Lernenden bedeutet, wenn er die Methode hier ändert oder dort seine Ziele transparent macht (ja, auch bei den Lehrenden benötigt man einen langen Atem ;-)).

Wenn wir nun davon ausgehen, dass viele Hochschullehrer/innen eher keine didaktische Ausbildung haben, könnte es auch schwierig sein, überhaupt den Mehrwert im Einsatz von Medien, von Methoden etc. zu erkennen. Ergo geht die ganze E-Learning-Chose an ihnen vorbei, weil sie nur die Arbeit darin sehen – mal ganz platt ausgedrückt.

10 06 2010
Oliver Tacke

Ich bin bei meiner Antwort davon ausgegangen, der Lehrende hat Erfahrung mit E-Learning und möchte die Lernenden überzeugen. Aber du hast natürlich Recht, auch die Lehrenden müssen erst einmal wissen (oder vorläufig vermuten), dass das etwas bringen kann.

Das Unschöne an diesem Punkt verdeutliche ich anhand eines Auszugs aus einem Text:

„Bisher werden Hochschullehrer für ihre Aufgaben in der Lehre nicht systematisch ausgebildet. Ob hochschuldidaktische Qualifizierungsangebote wahrgenommen werden, ist in der Regel in das Belieben des Einzelnen gestellt. Der Erwerb der Lehrberechtigung ist in der Regel nicht an den Nachweis der Lehrbefähigung geknüpft.“ (Jorzig, Bettina (2009): Qualitätskultur in der Lehre, in: In: Wirtschaft und Wissenschaft, 17. Jg., Nr. 4, S. 30 – 31.)

Das mag etwas „krass“ formuliert sein, verdeutlicht aber wieder den bisherigen Stellenwert der Lehre. Ein Professor hat mindestens durch eine Dissertationsschrift nachgewiesen, dass er das Handwerk des wissenschaftlichen Arbeitens beherrscht (gegebenenfalls zusätzlich durch eine Habilitationsschrift). Fokus: Forschung. Lehren darf er aber, ohne seine Fertigkeiten jemals unter Beweis stellen zu müssen. Und wer das mal probiert wird feststellen, wie schwierig das ist! Da gehört weitaus mehr dazu, als sich 90 Minuten lang vorne hinzustellen und was zu erzählen (oder gar abzulesen, gibt es tatsächlich noch!!!) – zumindest dann, wenn man es gut machen will. Fairerweise muss man hier aber auch anmerken, dass es auch schon ein Unding ist, überhaupt Veranstaltungen mit Hunderten von Leuten durchzuführen zu müssen, was die ganze Sache zusätzlich verkompliziert.

Also, wieder zurück zum eigentlichen Punkt: Ja! Auch viele der schon Lehrenden sollten eigentlich erst das Lehren lernen; und das ist gar nicht auf der E-Learning beschränkt. Nun sind wir wieder bei der Ausgangsfrage: Wie? Druck durch die Studierenden, weil sie es einfordern? Schwierig, weil das Henne-Ei-Problem wieder greift. Was man nicht kennt, kann man schlecht fordern – wieder auch abseits vom E-Learning. Wer vom ersten Semester an ausschließlich in Frontalvorlesungen sitzt, wird vielleicht gar nicht auf die Idee kommen, dass es auch anders gehen könnte, und womöglich gar eine Abwehrhaltung gegen ein anderes Format einnehmen. Die muss man dann erst mühsam überwinden; selbst erlebt.

Ich müsste jetzt noch etwas weiter ausholen, aber für das Problem gibt es hier bei einigen Leuten schon was im Hinterkopf. Das müssen wir mal verstärkt angehen…

10 06 2010
Andreas Sander

Hallo nochmal ;-),

also ich sehe es genau wie Oliver und thuunlimited.

Man muss auch erstmal an den Lehrenden ran. Ich kenne aus der Universität auch nur Frontalunterricht und Seminare in denen Studenten für sich alleine Papers zusammenfassen und präsentieren. Keine Teamarbeit, keine Kollaboration, nichts.

Rein vom Studium ausgehend wüsste ich sicherlich auch nicht was möglich wäre.

Ich glaube da helfen nur Programme direkt an der Hochschule, direkt bei den Studenten.

Hatte auch schon einmal überlegt bei Professoren nachzufragen, ob sie etwas dagegen hätten, wenn ich vor der Vorlesung einfach mal kurz etwas demonstriere um etwas Aufmerksamkeit zu wecken.

Werde das vielleicht auch mal tun, aber ob es etwas bringt ist natürlich fragwürdig. Aber es wäre ein Anfang, denke ich.

Gruß aus dem verregneten Saarland! :-/

10 06 2010
thuunlimited

@Andreas
Ich glaube, damit würdest so manchen Professoren glücklich machen. Erst letzte Woche erzählte mir ein Student, dass er seine Dozentin gefragt hat, ob er seine Mindmaps ins Stud.IP laden darf, damit die Komillitonen sie auch ansehen können. Natürlich durfte er. Aber er ist zuerst gar nicht auf die Idee gekommen, in die Veranstaltung seiner Dozentin „eingreifen“ zu dürfen. Und sie war wahrscheinlich froh, dass er die Initiative ergriffen hat. Woher sollte sie denn auch wissen, dass er so etwas in Petto hat?

Aus dem schwülen Braunschweig,
Thu

10 06 2010
cakruse

Ja, auch und gerade die Lehrenden müssen Bescheid wissen und den Nutzen von solchen Angeboten erkennen – das Argument mit den Massenveranstaltungen (schon 50 Personen ist ja je nach Veranstaltungsart viel..) macht noch mal ein anderes Fass auf, ist aber nicht von der Hand zu weisen und wird ggf. auch in Bezug auf das „teilvirtualisierte Studium“ nochmal wichtig. Man denke nur an die kommenden und vermutlich für alle Universitäten als drohende Wolke über ihnen hängenden doppelten Abiturjahrgänge… vielleicht malen sich da auch einige Unileitungen schönste Bilder von Erleichterungen, die sich so einfach gar nicht umsetzen lassen, weil sie die Lehrenden damit überrennen.

Das Henne-Ei-Problem lösen wir damit natürlich nicht. Die Frage, die sich hier gerade entwickelt ist ja auch: Wie kommt die Lehre in die Hochschule, mit und ohne E-Learning? Eigentlich brauchen doch alle Lehrenden eine Minimalunterstützung und -beratung, denn natürlich ist man nicht automatisch der geborene Lehrer, auch wenn man in „seinem“ Fach promoviert und vielleicht sogar habilitiert ist und ggf. nur die Lehre kennt, die man selbst „genießen“ durfte – und das muss ja auch nicht immer die beste gewesen sein..

Ich finde es ebenso wie Andreas und Thu sehr sehr wichtig, dass die Studierenden auch genau solche Vorschläge machen. Ob es nun um den Einsatz eines Lernmanagementsystems geht, um das Einbringen neuer kleiner Techniken (doodle zur Terminabstimmung, MindMaps, o.ä.) – ich glaube, dass es für Lehrende durchaus eine große Erleichterung sein kann, wenn sie merken, dass die Studierenden sich da selbst organisieren können und sich einbringen. Natürlich müssen sie sich darauf einlassen, aber ich lerne immer mehr Lehrende kennen, die da offen sind und sich darauf einlassen wollen.

9 06 2010
Studieren im web 2.0

[…] ” Wie kommt das eLearning in die Hochschule ? “  auf dem Blog Hochschulballett These 1: Studierende wissen zu wenig über die […]

9 06 2010
ponyQ

nur in kurz:

Mehr Infos hätten mich am Anfang entweder erschreckt („Auweia – was ich alles NICHT kann aber können könnte…“) oder wären – als kurze Hinweise – einfach im allgemeinen ehrfurchtsvollen Staunen („Was es alles gibt!“) untergegangen.
(Ich könnte dementsprechend jetzt nicht mal mit Sicherheit sagen, ob ich damals vielleicht sogar solche Anleitungen und Tipps gekriegt habe ?? )

Insofern fand ich das behäbige Dampfross-Moodle ohne Schnörkel und eine Einführung dazu für´s erste absolut genug. Es war ja alles vorhanden – in abgespeckter und dadurch leicht verdaulicher Form: Foren, Gruppenforen, Blogs, Chat… genug „Testraum“, genug Inspiration „Da muss doch noch mehr gehen… das muss man doch passender machen können…“

Übrigens hatte ich von Anfang an den Eindruck von Mehrwert – gefolgt vom Bestreben, den Mehrwert durch andere Anwendungen noch zu mehren.

Dabei ergibt sich im Fernstudium durch den Wegfall von „Campuskontakten“ und dem Schwerpunkt „selbstorganisiertes Lernen“ aber wahrscheinlich ein nicht wirklich repräsentatives Mehrwert-Erleben…

Mein Mehrwert besteht z.B. in den „computergestützten sozialen Netzwerken“ (so nennt man das wohl?):
in der Motivation durch das Feedback und den Austausch von Material, Kompetenz, Ideen und moralischer Unterstützung bei Lern- und anderen Tiefs

Ein wahrscheinlich nichtiger aber mir wichtiger Mehrwert:
Ich kann meine Lernumgebung selbst gestalten: Farben, Töne, Bilder, Sonderfunktionen… das mag ich.

… und Medienkompetenz per se gehört doch zu den „Basis-Mehrwerten“, dachte ich eigentlich… ? (muss man das noch irgendwie extra transparent machen ?)

Das sind natürlich meine persönlichen (nicht repräsentativen) Erfahrungen und Einschätzungen… ich hab die Frage mal weitergeleitet.

@ Oliver Tacke
„Die Deutschen, und nicht nur sie allein, besitzen die Gabe, die Wissenschaften unzugänglich zu machen.“ (Goethe)
🙂 Das tröstet mich über manch einschüchternd verschachtelte Formulierung hinweg, danke.

11 06 2010
cakruse

Für Dich war also der Einstieg Lernplattform in dem Moment genau das Richtige. Ich finde das insbesondere deswegen so spannend, da ich mein erstes Studium rein in Präsenz gemacht habe, und dann zwei Jahre später habe ich ein Fernstudium Erwachsenenbildung (an der TU Kaiserslautern) gemacht. Da habe ich aber an der Uni Osnabrück bereits in der E-Learning-Abteilung gearbeitet und war dementsprechend „fit“, was es für Möglichkeiten gibt – und ein wenig enttäuscht, wie sie in „meinem“ Fernstudium umgesetzt wurden.
Die Grunddienste waren vorhanden (ebenfalls Moodle) – Bereitstellung von Materialien, ein Forum, und so weiter. Und auch in meiner Kommilitonengruppe war es so, dass das für die meisten, die nicht so „drin“ waren wie ich, erstmal genau richtig war. Was ich allerdings eher unschön fand, war, dass ich ein Online-Seminar gemacht habe, das in Blackboard umgesetzt wurde und in meinen Augen alles andere als vorbildhaft gelaufen ist (starke Kontrolle durch die Seminarleitung bis hin zum Verfolgen, wie viele Postings gelesen wurden!, Aufgaben, die nach kurzer Zeit langweilig wurden und kaum eigene Ideen ins Spiel brachten, eine Aufgabe war z.B. eine PowerPoint-Präsentation zusammenzustellen zu einem Thema, das zwar wieder mit E-Learning zu tun hatte, aber trotzdem lag bei vielen der Fokus auf dem Power-Point-Basteln .. und so weiter). Das war eher abschreckend und auch inhaltlich eher wenig informativ, muss ich sagen..

Und nach den ersten beiden Semestern war da der Bedarf durchaus da. Es hatte sich eine Lerngruppe herausgebildet, mit denen ich dann regelmäßig kleine Sitzungen zu E-Learning gemacht habe (also zum Beispiel Wikis vorgestellt und mit den anderen ausprobiert habe und andere Sachen) und da meinten hinterher die meisten, dass das durchaus als aufbauende Themen interessant gewesen sei. (Das sag ich jetzt nicht weil ich mich so toll finde, sondern weil es mir gezeigt hat, dass Grundinfos wichtiger sind als ein komplettes Programm mit den Studierenden zu durchlaufen..)

Dass der Mehrwert im Fernstudium als größer wahrgenommen wird, würde ich auch auf die Form des Studiums rückführen. Andererseits sind viele Studierende an den Präsenzunis inzwischen auch so eingespannt ins Studieren, Arbeiten, Dinge organisieren, dass die Unterschiede ein wenig verwischen (aber auf jeden Fall noch vorhanden sind!)

Dass Medienkompetenz ein Mehrwert ist, ist glaube ich klar – aber ob den meisten wirklich klar ist, wie bedeutend das inzwischen geworden ist? Da bin ich mir nicht sicher. Kritischer Umgang mit Medien ist ja schon etwas, das an vielen Stellen nicht geschieht, obwohl man sich inzwischen doch immer fragen sollte, wo eine Information herkommt und wieso sie wie dargestellt wird – man denke nur an die vielen „Twitter-Skandale“ bzw. die Fälle, in denen ein Medium wie Twitter durch Falschmeldungen oder Meinungsmacherei auf einmal eine große Rolle spielt oder Dinge beeinflusst, und das in einer enormen Geschwindigkeit – was ja positiv sein kann, aber man muss eben kritisch bleiben. (und es geht mir selbst auch immer wieder so, dass ich mich daran erinnern muss…)

12 06 2010
Oliver Tacke

Vor wenigen Minuten gelesen, passt hervorragend zum Thema:

Reinmann, Gabi (2008): Lernen und Lehren im Zeitalter des Web 2.0 – Ein Streifzug durch den aktuellen Stand beim E-Learning in verschiedenen Bildungskontexten, in: Zeitschrift für Medienpädagogik, 52. Jg., Nr. 2, S. 13-20.

Zitate (teils von Frau Reinmann selbst zitiert):

„Erst wenn Lehrerinnen und Lehrer für sich entdecken und erfahren, wo Web 2.0-Anwendungen einen Mehrwert haben (und wo nicht), unter welchen Bedingungen sie das persönliche Lernen bereichern, Arbeitsprozesse effizienter machen et cetera, werden sie anfangen, diese auch im Unterricht zu erprobem (Reinmann, in Druck 2008)“ auf S. 17.

„Technische Fertigkeiten muss man vielen Kindern und Jugendlichen in der Schule nicht mehr beibringen. Oft aber haben sie Schwierigkeiten, Inhalte kritisch zu bewerten, Sicherheitsprobleme zu erkennen und die auch im Netz notwendigen sozialen Fähigkeiten zu entwickeln. Nicht nur aus mediendidaktischen Gründen, sondern auch weil sich die Gesellschaft und das Informations- und Kommunikationsverhalten der nachwachsenden Generation ändern, wächst der Druck auf die Schulen, sich der Web 2.0-Herausforderung zu stellen.“ auf S. 17.

„Zwar gibt es ähnlich wie im Schulbereich (wohl auch zahlreicher und mutiger als dort) einige Vorreiter: Das sind Hochschulen, die meist auf der Grundlage früh entwickelter E-Learning-Strategien (Seufert/Euler 2005) zum Beispiel mit dem Einsatz von Wikis und Weblogs experimentieren, Podcast-Angebote ins Leben rufen, Handy-Projekte starten et cetera. Oft genug aber sind es bei genauerem Hinsehen nur einzelne Fachbereiche oder Einzelpersonen, von denen dieses Engagement ausgeht (vgl. Seiler Schied et al. 2006; Merkt et al. 2007).“ auf S. 17.

„Ähnlich wie an Schulen wird vielerorts die mangelnde sowohl technische als auch didaktische Kompetenz von Hochschullehrenden als eines der Hindernisse für die Verbreitung von E-Learning (1.0 wie 2.0) beklagt (Euler et al. 2006).“ auf S. 18.

15 06 2010
Artikel über Web 2.0 mit Web 2.0 verfassen – und mit Euch! « Hochschulballett

[…] über Web 2.0 mit Web 2.0 verfassen – und mit Euch! 14 06 2010 Wie sich in der Diskussion um unseren letzten Blogpost gezeigt hat, sind die Erwartungen und Erfahrungen unter Lehrenden, Studierenden und […]

21 06 2010
Wie kommt Web 2.0 in die Hochschule? | Bildung 2.0

[…] musste etwas Übersicht zur Diskussion geschaffen werden. Dazu verfasste CrazyBigBird einen tollen Blogpost (Danke nochmal an dieser Stelle dafür!) mit dem wir die Diskussion mit euch fortführen möchten. […]

22 09 2010
E-Learning – zur Pathogenese eines ungeliebten Begriffs – theleprompt

[…] richtig überzeugt und gern spricht niemand von E-Learning. Zu sehr ist damit die Vorstellung verbunden, automatisches Lehren und automatisches Lernen […]

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