Ein Telegramm von der ICED Barcelona

29 06 2010

Heut ist der zweite Tag der ICED (International Consortium of Educational Development) in Barcelona. Mir (Thu) sind bislang zwei Aspekte aufgefallen, die E-Learning betreffen:

  1. Es ist kaum präsent. Von ca. 300 Vorträgen gibt es ca. eine Hand voll zum Thema ICT in teaching and learning. –> Das spiegelt wohl auch unsere Vermutung wider, dass Hochschuldidaktik/-entwicklung und E-Learning nicht wirklich gut verzahnt sind.
  2. Es gibt diverse Programme zur Qualifizierung der Lehrenden in diesem Bereich, aber diese sind größtenteils tatsächlich noch in den Anfängen. Mit anderen Worten, wir (also die Supportstellen mit den aktuellen Programmen) stehen dem in nichts nach und gehören sogar eher zur innovativen Fraktion.

Aufatmen und lieber auch mal auf Englisch publizieren.

Advertisements




Kurzumfrage zu „Welche Web 2.0-Möglichkeiten benutzen Studierende im Studium?“

22 06 2010

Aufgrund der bereits erwähnten Diskussion über Twitter mit Oliver Tacke und Andi stellen wir uns immer noch die Frage, ob und wenn ja welche und wie Lehrende und Studierende Web 2.0-Angebote im Studium einsetzen.

Da der Fokus doch sehr oft auf den Lehrenden liegt – schließlich sind wir Hochschuldidaktierinnen – bin ich froh, dass wir über die Diskussion auch Kontakt zu mehr Studierenden bekommen haben. Andi hat in seinem sehr lesenswerten Blogartikel „Wie kommt Web 2.0 in die Hochschule“ eine Umfrage für Studierende eingerichtet, die kurz abfragt, welche Möglichkeiten von Studierenden eingesetzt werden. Macht mit!





Praxisbericht Web 2.0-Einsatz: Svenja Vozenilek

20 06 2010

Welche Web 2.0-Anwendungen haben Sie bereits im Rahmen Ihres Studiums verwendet? Welche wurden in einer/mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Vor diesem Semester habe ich nur die üblichen Web 2.0-Anwendungen (für mich heißt das, das Benutzer wesentliche Inhalte beitragen können, also wäre z.B. Amazon so ganz knapp an der Grenze) wie Wikipedia passiv verwendet. In diesem Semester habe ich ein Seminar – Studieren im Mitmachnetz – was sich genau mit dem Thema auseinandersetzt, ich stell den Link zum Seminarblog mal hier rein, damit man sich besser vorstellen kann, was ich meine : http://blogs.zmml.uni-bremen.de/mitmachnetz/
Im Rahmen dieses Seminars benutze ich allerhand Web 2.0, ich blogge über meine Lernfortschritte und andere studienbezogene Inhalte, informiere mich über studienrelevante Neuigkeiten via RSS und verwende social bookmarking für meine Literatur. Dieses Seminar ist natürlich Web 2.0 at it’s best, ansonsten wurde in meinen Veranstaltungen bislang nur StudIP eingesetzt, in zwei Fällen wurde das Wiki darin benutzt.

Wie und wofür wurden die Web 2.0-Anwendungen in den Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Das Gros meiner Veranstaltungen benutzt StudIP zur Weitergabe von Dateien, meist zu lesende Literatur, oft sollen die Studis ihre Bildschirmpräsentationen oder Handouts nach gehaltenen Referaten hochladen. Im Wiki sollten wir in einem Seminar tatsächlich gemeinsam an Artikeln arbeiten, um sie so zu optimieren. Im anderen Seminar sollte durch das Wiki eine (vermeintliche) Anonymität – wir sollten uns selbst zu einem ziemlich privaten Thema interviewen – gewahrt werden. Totaler Quatsch natürlich, aber die Dozentin ließ es sich nicht ausreden. Im Mitmachnetz-Seminar werden der Blog mit regelmäßigen Videos und Screencasts zur Inhaltsvermittlung, Twitter (für Eilmeldungen) und ein Forum zum Support benutzt.

Welche Hilfen erhielten Sie?

Meist gar keine, die Dozenten gehen davon aus, dass wir schon wissen, wie es funktioniert. Studierende sind aber nicht die homogene Gruppe von digital natives, für die sie von vielen Dozenten gehalten werden. Allerdings gibt es seit einiger Zeit eine StudIP-Sprechstunde, wo man Anwendungsfragen klären kann. Rühmliche Ausnahme auch hier wieder das Mitmachnetzseminar, in Videos und Screencasts wird alles mehr oder weniger gründlich erklärt, im Forum bekommt man recht zügig Rat von Dozenten, Tutoren oder anderen Seminarteilnehmern

Wie haben sie die Zusammenarbeit mit Lehrenden und wie mit anderen Studierenden und den/dem Lehrenden mittels der Web 2.0-Werkzeuge empfunden?

Sehr positiv, es stellte sich bei mir schnell das Gefühl von „in einem Boot sitzen“ ein. Die Asynchronität ist auch ein großer Vorteil, ich fühle mich sozial nicht so unter Druck gesetzt JETZT den geistreichen Einfall für die Diskussion zu haben,

Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für Web 2.0-Werkzeuge in Lehrveranstaltungen ihres Fachgebiets? Was würden Sie sich für Ihr Studium wünschen?

Man könnte über social bookmarking-Dienste gemeinsam Literatur sammeln und verwalten, in Blogs und Foren diskutieren oder gemeinsam zu erarbeitende Ausarbeitungen z:B. über Wikis organisieren (statt „ich schick Dir meinen Teil zu, wenn ich fertig bin“). In Bio müssen wir ziemlich oft Versuchsprotokolle schreiben, warum die nicht im Rahmen eines Projektblogs veröffentlichen? Klar gäbe es da wahrscheinlich einige, die schamlos bei anderen abkupfern würden, aber das passiert sowieso.

Welchen Mehrwert hat Ihnen der Einsatz von Web 2.0 in Lehreranstaltungen schon gebracht/welchen potentiellen Mehrwert sehen sie für sich und ihre Kommilitonen, aber auch für die Lehrenden?

Die Mitmachnetz-Veranstaltung läuft komplett online, das ist natürlich organisatorisch großartig, weil man, wie in der Werbung für die Veranstaltung so nett formuliert, studieren kann ,wann und wo man will’ – perfekt, wenn man wie ich durch den Nebenjob zeitlich stark eingeschränkt ist. Ansonsten kann man bei Diskussionen etc. leichter aufeinander Bezug nehmen; Fundstücke sind einfacher zu teilen. Eher zurückhaltende Menschen haben mehr Zeit und Raum, sich auszudrücken und werden nicht so leicht „überfahren“. Natürlich setzt das Ganze eine gewisse Motivation zum Mitmachen voraus.
Wenn Web 2.0 in Veranstaltungen eingesetzt wird, erlangt man zwangsläufig nebenbei eine gewisse Kompetenz in dem Bereich.

Welche Fähigkeiten benötigen die Lehrenden, um Web 2.0-Anwendungen in ihrer Lehre gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie als Studierende?

Lehrende müssen schon selbst halbwegs fit in den Anwendungen sein, die sie einsetzen wollen und dürfen nicht erwarten, dass der Input da nur von den Studis kommt. Motivationsfähigkeit ist sicher gefragt, aber auch „traditionelle“ Veranstaltungen funktionieren nur gut, wenn viele Beteiligte motiviert sind und sich positiv einbringen. Abgesehen von einer gewissen technischen Kompetenz und der Offenheit für Neues auf beiden Seiten sehe ich nichts, was jetzt Web 2.0-spezifisch wäre.





Praxisbericht Web 2.0-Einsatz: Oliver Tacke

18 06 2010

(Dieser Praxisbericht von Oliver Tacke darf gerne kommentiert und diskutiert werden.)

Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Wirklich eingebunden habe ich nur ein Wikis und war beim Probeeinsatz von Twitter zumindest irgendwie involviert.

Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?

In einem Seminar wird derzeit ein Wiki eingesetzt, in dem die Studierenden gruppenweise öffentlich ihre Seminararbeiten verfassen. Die Idee, so wie ich sie kenne, stammt ursprünglich von Christian Spannagel, und ich wollte das einfach auch einmal ausprobieren.

Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?

???

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?

Im Seminar läuft es bisher prima, wenngleich es ein Blended-Learning-Szenario ist und so die Zusammenarbeit nicht ausschließlich über das Wiki läuft.

Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?

Bisher: Die Einarbeitung in die Handhabung sei jedenfalls recht einfach – bis auf die Erstellung von Tabellen. Für das gemeinsame Erstellen von Arbeiten sei die Nutzung eines Wikis eine gute Idee, auch weil der Betreuer so zwischendurch immer mal drüberschauen kann.

Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?

+ sinnvolles Werkzeug zur kollaborativen Erstellung von Texten
+ methodische Erfahrung im Web 2.0 (Wert an sich?)
+ kein Versionswirrwarr
+ Input von außen möglich, ermöglicht transdisziplinäres Arbeiten
+ Betreuer kann sehr einfach den gesamten Erstellungsprozess der Arbeit begleiten und nicht nur das Resultat begutachten; ggf. frühzeitiges Eingreifen möglich
+ erhöhte Motivation gerade dann, wenn Input von außen kommt – kein Schreiben „für die Schublade“
+ Plagiarismusgefahr könnte sinken – wer will sich schon öffentlich erwischen lassen
+ Lehrenden können im Prinzip drei Stufen abschreiten, je nach Erfahrung und Einstellung zur Grundidee (1. geschlossenes Wiki, sonst nichts anders als bei „klassischen Seminaren“; 2. zusätzlich den Prozess begleiten; 3. Wiki öffentlich mit Input von außen)

– Input von außen muss auch angeregt werden, von allein passiert da nichts; Betreuer muss über ein entsprechendes Kontaktnetz oder viel „Werbung“ machen
– Lehrender sollte natürlich Erfahrung mit Wikis haben
– Gefahr, aller Input kommt von außen und andere schreiben mehrheitlich die Arbeit (konnte aber bisher keinesfalls bestätigt werden, siehe „Werbeproblem“ oben)
– Könnte sehr viel Arbeit sein, wenn man sich sehr in den Begleitungsprozess reinhängt (kann aber jeder Dozent flexibel für sich entscheiden)

Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?

Klappt sehr gut, würde ich wieder so machen. Eventuell noch weitere Betreuer ins Boot holen, da man dann den Entstehungsprozess besser begleiten kann, aber den kann jeder, wie gesagt, flexibel steuern.

Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)

Ich wäre fit 🙂

Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?

Ist prinzipiell unabhängig vom Fach, sollte also auch auf andere Veranstaltungen übertragbar sein. Kann man eventuell auch in Vorlesungen oder Übungen einbauen (gemeinsam zunächst Themen bearbeiten und dann von den Studierenden vorstellen lassen).

Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?

Die Studierenden konnten sich problemlos die Bedienung des Wikis selbst aneignen. Allgemein: Potenziale erkennen, die im Web 2.0 stecken – selbst Inhalte produzieren, Wissen mit anderen teilen und neues konstruieren und dabei selbst lernen. Setzt aber sicher oft eine Einstellungsänderung der Lehrenden voraus.





Praxisbericht Web 2.0-Einsatz: Sandra Hofhues

16 06 2010

(Dieser Praxisbericht von Sandra Hofhues darf gerne kommentiert und diskutiert werden.)

Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
– Weblogs
– Twitter
– Podcasts
– E-Portfolios
– Social Bookmarking

Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Man muss sicher nach den Tools unterscheiden; Weblogs dienen in meinen Seminaren zur Reflexion von Einzel-, vor allem aber Gruppenarbeitsprozessen und auch zur Dokumentation von Lernergebnissen. Twitter dient bei mir vorwiegend dazu, rasch zu informieren, vor allem passende Links zu verbreiten. Mitunter wird soziale Präsenz über Twitter gezeigt, d.h. Studierende werden durch mich als Dozentin motiviert (gelobt, unterstützt etc.). Podcasts dienen dazu, Lernergebnisse „einmal anders“ aufzubereiten; sie können audio- oder auch videobasiert sein. E-Portfolios werden bei uns im Begleitstudium Problemlösekompetenz eingesetzt, um Lernerfahrungen zu sammeln, zu dokumentieren und schließlich auch zu bewerten. Ein Teil des E-Portfolios ist dabei öffentlich. Social Bookmarks nutze ich als digitale Reader für meine Lehrveranstaltungen, da die meisten Quellen inzwischen über das Web verfügbar sind (ich lehre viel zu Web 2.0, da liegt das nahe).

Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?
Da die Tools meist zur Unterstützung des Lernprozesses dienen, werden die Studierenden sehr gezielt auf den Medieneinsatz vorbereitet – und zwar in der Präsenzsituation mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?
Die Zusammenarbeit verhält sich von Seminar zu Seminar unterschiedlich und auch die Tools „funktionieren“ unterschiedlich gut. Tendenziell klappt der Austausch von Informationen gut – dies sind die Studierenden gewohnt und passt in ihr Bild von Universität. Komplizierter wird es, sobald Reflexions- und Gruppenaustauschprozesse angestoßen werden sollen. Hierin wird zunächst kein Sinn gesehen bzw. es ist erhebliches Eingreifen durch Lehrende/Tutoren notwendig.

Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?
Die meisten Studierenden stehen dem Einsatz von Web 2.0-Tools sehr kritisch gegenüber; nur wenige melden zurück, dass sie auf neue Recherchewege gestoßen sind oder mehr als in klassischen Seminaren von der Lehrveranstaltung „mitnehmen“. Selten, aber doch immer mal wieder kommt es vor, dass die Studierenden fortan Tools in anderen Veranstaltungen nutzen wollen (z.B. Blogs).

Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?
Aus meiner Sicht liegt ein Vorteil darin, dass sich der Aufwand für die Bearbeitung von Fragestellungen für die Studierenden verteilt; für die Lehrenden wird es erleichtert, Lernprozesse (ggü. -ergebnissen) zu bewerten. Außerdem können insbesondere Projektarbeiten optimal durch E-Learning begleitet werden.

Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?
Aus meiner Sicht ist es wichtig, immer mit den Studierenden in engem Kontakt zu sein und sich mit ihnen über Sinn und Unsinn bestimmter Werkzeuge auszutauschen. Auf diese Weise fällt es einem leichter, die eigenen Vorstellungen mit denen der Studierenden abzugleichen. Wichtig ist mir zudem, die Studierenden über die Öffentlichkeit bestimmter Tools aufzuklären, damit sie diese entsprechend (vorsichtig) nutzen.

Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)
Da ich mich einigermaßen gut mit Web 2.0-Anwendungen auskenne, benötige ich nur manchmal technischen Suppport bzw. entsprechende Serverplätze.

Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?
In meinen Lehrveranstaltungen sind E-Learning-Elemente fester Bestandteil. Allerdings sehe ich nicht, dass dies abseits unserer Insel (Institut für Medien und Bildungstechnologie/Universität Augsburg) bereits etabliert wäre. Hier ist viel Überzeugungsarbeit nötig, die sicher noch Jahre braucht, um entsprechende Werkzeuge für den Einsatz in der Lehre zu etablieren.

Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?
Studierende sind in der Regel technisch gut in der Lage, bestimmte Tools zu benutzen. Sie benötigen zwar, wie fast alle, kurze Einführungen, können sich „den Rest“ dann aber selbst beibringen. Wichtiger scheint mir, dass die Studierenden lernen, kritisch mit der Öffentlichkeit und den eigenen Daten umzugehen. Unter welchen Bedingungen die Werkzeuge „gewinnbringend“ sind, kann man wohl nur auf Individualebene sagen. Vermutlich spielt eine Rolle, inwiefern die Studierenden intrinsisch und auch extrinsisch zum Einsatz motiviert sind/werden. Ich selbst versuche, nicht stehen zu bleiben, d.h. mich ständig über neue Entwicklungen im E-Learning auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig den Mut zu bewahren, permanent neue Werkzeuge auszuprobieren (auch auf die Gefahr hin, hin und wieder mit dem Medieneinsatz zu scheitern).





Artikel über Web 2.0 mit Web 2.0 verfassen – und mit Euch!

14 06 2010

Wie sich in der Diskussion um unseren letzten Blogpost gezeigt hat, sind die Erwartungen und Erfahrungen unter Lehrenden, Studierenden und E-Learning-„Unterstützern“ sehr unterschiedlich. Passend wie die Faust aufs Auge fiel zu diesem Thema der Call for Papers der Zeitschrift MedienPädagogik in die Hände. Einreichen soll man Artikel zum Thema „Partizipationschancen im Kulturraum Internet nutzen und gestalten –Das Beispiel Web 2.0„.

Nun ist über das Thema Web 2.0 sowohl im Hochschulkontext als auch in anderen Zusammenhängen schon viel geschrieben worden – und darum möchten wir mit Eurer Hilfe einen Artikel einreichen, der Web 2.0 nicht nur thematisiert, sondern auch beinhaltet. Denn was könnt näher am Thema sein, als einen Artikel zum Thema Web 2.0 mit Web 2.0-Möglichkeiten zu erarbeiten?
Unser konkreteres Thema ist (natürlich) der Einsatz von Web 2.0 im Hochschulkontext, genauer:

Praxiserfahrungen mit Partizipation im Netz im Hochschulkontext

und daraus folgend: hemmende und förderliche Faktoren für die Realisierung des Web 2.0-Einsatzes im Hochschulkontext sowie die dafür erforderlichen Kompetenzen. Das bedeutet, dass wir einerseits eine theoretische Fundierung in diesem Artikel haben, aber auch Praxiserfahrungen von Lehrenden und Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen sowie E-Learning-Einrichtungen einbeziehen möchten. Schön wäre es natürlich, wenn sich eine bunte Mischung aus diesen Personen- und auch Fachgruppen ergeben würde – wir freuen uns über jeden, der mitmachen möchte!

Was genau haben wir vor – und wie?

Wir möchten in diesem Blog unseren Artikel schreiben – und ihr spielt die wichtigste Rolle dabei.  Das alles soll in mehreren Schritten geschehen.

Schritt 1 – ab sofort:
Los geht es mit dem Sammeln von Praxiserfahrungen. Teilt uns Eure Praxiserfahrungen mit Web 2.0-Einsatz in der Hochschule aus Lehrenden- oder Studierenden- oder Beratersicht mit, indem Ihr Euch an den für Euch relevanten Leitfragen weiter unten orientiert und einen Kommentar zu diesem Artikel verfasst. Wir arbeiten parallel am „Theorieteil“ des Artikels, den wir ebenfalls zur Diskussion stellen.

Schritt 2 – ab sofort:
Eure Berichte stellen wir als jeweils eigenen Blogbeitrag mit Verweis auf Euren Namen (je nach Wunsch Euren echten oder Euren Alias-Namen) unter der Kategorie „Praxisberichte“ hier in unseren Blog ein. So können die anderen Blogleserinnen und Blogleser Rückfragen stellen, kommentieren und diskutieren.

Schritt 3 – [tba]:
Wir sortieren und strukturieren Eure Beiträge und fassen Sie in Unterkategorien zusammen. Anschließend sind die Autoren der ursprünglichen Beiträge dazu aufgerufen, aufgrund der gesammelten Fragen, Kommentare und Diskussionen zu Ihren Beiträgen diese zu verändern oder zu ergänzen.

Schritt 4 – [tba]:
Wir stellen den Artikel zusammen und reichen ihn ein. Natürlich werden alle Mit-Autorinnen und -Autoren entsprechend namentlich genannt und gewürdigt, es sei denn, sie möchten das nicht.

Unsere erste Bitte an Euch ist also: Verfasst einen Text, in dem Ihr Eure Erfahrungen mit Web 2.0 im Hochschulkontext beschreibt und erläutert. Pickt Euch dazu die entsprechenden Leitfragen, die für eure Personengruppe passen, heraus. Tragt die Information auch weiter und bittet Euch bekannte Lehrende oder Studierende, sich zu beteiligen – denn Web 2.0 lebt bekanntlich vom Mitmachen!

Leitfragen

– für Lehrende

  • Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
  • Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?
  • Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?
  • Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?
  • Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?
  • Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?
  • Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen sie?
  • Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung..)
  • Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?
  • Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen sie selbst?

– für Studierende

  • Welche Web 2.0-Anwendungen haben Sie bereits im Rahmen Ihres Studiums verwendet? Welche wurden in einer/mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?
  • Wie und wofür wurden die Web 2.0-Anwendungen in den Lehrveranstaltungen eingesetzt?
  • Welche Hilfen erhielten Sie?
  • Wie haben sie die Zusammenarbeit mit Lehrenden und wie mit anderen Studierenden und den/dem Lehrenden mittels der Web 2.0-Werkzeuge empfunden?
  • Welche weiteren Einsatzmöglichkeiten sehen Sie für Web 2.0-Werkzeuge in Lehrveranstaltungen ihres Fachgebiets? Was würden Sie sich für Ihr Studium wünschen?
  • Welchen Mehrwert hat Ihnen der Einsatz von Web 2.0 in Lehreranstaltungen schon gebracht/welchen potentiellen Mehrwert sehen sie für sich und ihre Kommilitonen, aber auch für die Lehrenden?
  • Welche Fähigkeiten benötigen die Lehrenden, um Web 2.0-Anwendungen in ihrer Lehre gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie als Studierende?

– für MitarbeiterInnen in E-Learning-Einrichtungen

  • Welche Web 2.0-Anwendungen werden an Ihrer Hochschule bereits eingesetzt?
  • Für was und in welchem Zusammenhang (Lehre, Zusammenarbeit in der Verwaltung…) werden diese Anwendungen eingesetzt?
  • Welches Unterstützungsangebot beim Einsatz von Web .20 in der Lehre oder im Studium bieten Sie Lehrenden und Studierenden an Ihrer Hochschule an? (Beratung, Hilfen, Screencasts…)
  • Welche Anfragen/Nachfrage und welches Feedback erhalten Sie von Lehrenden und Studierenden bezüglich der Nutzung von Web 2.0 im Hochschulleben?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bei der Zusammenarbeit mit Lehrenden, welche bei der Zusammenarbeit mit Studierenden während des Einsatzes von Web 2.0-Anwendungen?
  • Welche Fähigkeiten müssen Lehrende mitbringen/erwerben, welche Studierende, um Web 2.0 im Hochschulalltag sinnvoll einsetzen zu können?




Wie kommt das E-Learning in die Hochschule?

8 06 2010

Anlass für diesen Artikel ist eine Diskussion, die sich in/über Twitter entwickelte. Ein Student schrieb dort, er wünsche sich mehr Web 2.0 an seiner Uni. Auf meine Nachfrage, ob er gerne mehr über Web 2.0 hören möchte oder gerne in seinen Veranstaltungen und digitalen Hochschulangeboten mehr Web 2.0-Möglichkeiten wünsche, ergänzte sogleich ein Kollege von mir die Frage „oder beides?“. Daraus entspann sich eine rege Diskussion unter – zunächst – uns dreien, für die die Twitter-140-Zeichen-Postings schnell nicht mehr ausreichten. Passenderweise erschien heute auf SpiegelOnline ein Beitrag zum Thema digitales Studium (siehe unten) – daher ist der folgende Beitrag gleich doppelt aktuell, wenn auch doch ein alter Hut..

Eine Frage, die uns immer wieder beschäftigt, ist: Wie kommt das E-Learning eigentlich in die Hochschule? Oder, um uns mal ketzerisch und ins eigene Fleisch schneidend zu fragen: Wer will und braucht E-Learning-Angebote eigentlich? (Bei dieser Gelegenheit fällt wieder einmal auf, dass wir den Begriff E-Learning eigentlich nicht gerne verwenden – aber zu diesem Thema werden wir in naher Zukunft unsere Überlegungen hier ins Blog stellen, das würde jetzt den Rahmen sprengen.) Wir stellen zunächst also die Frage nach der Henne und dem Ei – was war zuerst da? Ein Bedarf von Seiten der Studierenden, der doch recht häufig an uns herangetragen wird, oder ein Angebot zur Lehr- und Lernunterstützung, das angenommen und weitergetragen wird?

These 1:
Studierende wissen zu wenig über die Möglichkeiten, die Online-Lernangebote Ihnen eigentlich bieten (könnten). Gleichzeitig sind sie als Gruppierung nicht die Digital Natives, für die wir sie gerne halten.
Immer wieder zeigt sich, dass die Studierenden als Zielgruppe von E-Learning-Angeboten und -Unterstützung/Support wenig berücksichtigt werden. Dabei sind sie die eigentliche „Kundschaft“ der Angebote. Lehrende setzen zwar die Angebote um, aber betroffen sind doch letztendlich die Studierenden. Die gehen aber ihrerseits mit den Möglichkeiten der inzwischen nicht mehr „neuen Medien“ nicht so selbstverständlich um, wie wir ihnen gerne unterstellen. Das zeigt sich immer wieder in Gesprächen mit Studierenden selbst, aber auch mit engagierten Lehrenden, die dies ebenfalls wahrnehmen.

These 2:
Lehrende haben oft Angst vor Mehrarbeit oder Überforderung, die Ihnen durch den Einsatz von Online-Bausteinen in Ihrer Lehre entstehen könnte. Sie haben maximal Grundkenntnisse über die vorhandenen Techniken, die aber nicht ausreichen – didaktische Beratung und Unterstützung sind notwendig. Andererseits sind viele Möglichkeiten unbekannt und E-Learning wird als „großes Unbekanntes“ und damit eher als bedrohlich statt als nützlich wahrgenommen.

Das ist sicherlich auch durch die Rasanz bedingt, mit der sich „das Internet“ und die Möglichkeiten digitaler Lehr- und Lernunterstützung weiterentwickeln.

These 3:
Studierende haben Bedarfe – die ganz sicher noch genauer unter die Lupe genommen werden müssen als bisher, damit wir ihnen nicht Anforderungen in den Mund legen, die gar nicht vorhanden sind.
Wenn Studierende diese Bedarfe artikulieren und transparent machen können und Lehrende nicht nur technisch, sondern auch didaktisch unterstützt werden, kann E-Learning an Hochschulen erfolgreich sein.
Es kann und soll nicht darum gehen, überall und immer Medien einzusetzen, sondern die Möglichkeiten, die vorhanden sind, zielgerichtet und angemessen einzusetzen. Dass nicht nur Lehrende, sondern auch Studierende sich manchmal durch das „digitalen Zeitalters“ überfordert fühlen, zeigt der aktuelle SpiegelOnline-Beitrag zum Thema „Kritische Blicke auf das digitale Studium“.

These 4:
Das Grundproblem besteht aber nicht nur in mangelnder Information und Kommunikation auf beiden Seiten, sondern auch in einer Geringschätzung der Lehrtätigkeit.
Und hier stoßen wir auf ein Grundproblem: Die Wertschätzung von Bildung im Allgemeinen. Damit würden wir ein Riesenfass aufmachen – aber eine Rolle spielt das trotzdem.

–> Zurück zur Grundfrage: Wie kommt das E-Learning denn nun in die Hochschule? Ist es letztendlich doch nur eine Frage der Unterstützung? Sind am Ende die Entscheidungen der Hochschulleitungen von größerer Wichtigkeit als die Bedarfe der Studierenden? Sind die Bedarfe überhaupt vorhanden? Und: Sind Unis nicht auch Service-Dienstleister, auch wenn Sie sich nicht so sehen? Was macht es so schwer, sich nach den Bedarfen der Kunden zu richten – was jede Unternehmen über kurz oder lang tun müsste, um zu überleben?

Entgegen dem Eindruck, den der Spiegel-Artikel vielleicht vermittelt, ist ein sinnvoller Einsatz digitaler Medien an der richtigen Stelle durchaus möglich  – man muss vielleicht nur nicht in solchen Extremen denken.