Der Artikel ist eingereicht!

23 11 2010

Die Meldung  kommt hieri m Blog etwas verspätet – Ihr wisst ja, an einer Hochschule gibt es immer etwas Wichtiges zu tun, und da ist das leider ein wenig nach hinten gerutscht auf der Liste mit den (wichtigen) Dingen, die auch noch zu tun sind.

Wir haben unseren Artikel pünktlich eingereicht und erhalten nun laut Rückmeldung im Dezember Nachricht darüber, ob er angenommen wird. Wir möchten uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Mitschreibenden bedanken, die natürlich auch im Artikel erwähnt werden. Ohne Euch wäre der kollaborative Artikel nicht zustandegkommen!





Nur Mut zum Mut: Lehren mit Online-Werkzeugen wagen bedeutet, auch mal mutig sein zu müssen

10 09 2010

Nach unserem Aufruf haben sich einige Lehrende und (leider nur) eine Studierende gemeldet, um von Ihren Erfahrungen mit dem Einsatz von Web 2.0 im Hochschulkontext zu berichten. Aus diesen Praxisberichten, die sich alle an unseren Leitfragen orientierten, möchten wir nun die Grundlage für unseren Artikel schaffen.

Wir haben uns alle Praxisberichte angesehen und nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden gesucht. Das haben wir – um zu sehen, wie ähnlich oder unterschiedlich die Ergebnisse sind – getrennt gemacht und uns erst hinterher zusammengesetzt und unsere Ergebnisse verglichen. Obwohl wir unterschiedliche Methoden gewählt haben, beide tabellarisch, aber doch unterschiedlich, sind wir zu sehr ähnlichen Ergebnissen gekommen. Wir haben uns in bezug auf die Praxisberichte der Lehrenden angesehen:

  • Eingesetzte Werkzeuge
  • Einsatzmöglichkeiten
  • Vorbereitung des Einsatzes
  • Zusammenarbeit mit den Studierenden
  • Feedback
  • Wahrgenommene Vorteile
  • Wahrgenommene Nachteile
  • Konsequenzen
  • Verbesserungsmöglichkeiten
  • Gewünschte Unterstützung
  • Zukünftiger Einsatz
  • Benötige Fähigkeiten der Lehrenden
  • Benötige Fähigkeiten der Studierenden

Die Praxisberichte waren in mehrfacher Hinsicht interessant. Nicht nur, dass das Spektrum der eingesetzten Werkzeuge und damit auch das Verständnis von „Web 2.0-Tools“ sehr unterschiedlich und vielseitig waren, auch die Tools, die von mehren Praktikern eingesetzt wurden erfuhren einen sehr unterschiedlichen Einsatz in den Lehrveranstaltungen. Eine Sache, die uns in den Antworten sowohl der Lehrenden als auch der Studierenden zu verschiedenen Bereichen (sowohl bei den notwendigen Fähigkeiten der Lehrenden als auch Studierenden sowie z.B. bei der Zusammenarbeit oder dem Feedback durch die Studierenden) auffiel, ist die häufige Angabe, dass man für neue Dinge und Möglichkeiten offen sein sollte und den Einsatz solcher Tools wagen muss – in einem Satz: Dass man Mut braucht, um Web 2.0 (egal, welches Tool und welches Fachgebiet) in der Lehre und zum Lernen einzusetzen. Wir haben aus den Praxisberichten die These entwickelt, dass der Einsatz von Web 2.0 in der Lehre in vielfacher Hinsicht Mut benötigt – und haben zu dieser These vier Bereiche identifiziert und Teilthesen entwickelt, auf denen wir unseren Artikel aufbauen möchten. Diese möchten wir aber zunächst hier im Blog mit Euch diskutieren und stellen jede Teilthese in einem Blogartikel vor und damit zur Diskussion:

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden

Bitte diskutiert die vier Thesen bis zum 30.09. in den jeweiligen Blogartikeln – wir sind gespannt, ob Ihr mutig genug seid, unsere Mut-Konstrukte zu kritisieren oder zu unterstützen😉





Mut zur Neugierde

10 09 2010

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden Mut zur Neugierde.

Hat der Lehrende nicht den Mut, sich mit neuen Webapplikationen zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, damit vielleicht ab und zu an die eigenen Grenzen zu stoßen (siehe auch „Mut zum Fehler-Machen“) und sich auf Neuerungen für die eigenen Kenntnisse und die eigene Lehre oder das eigene Lernen einzulassen, kann der Einsatz von Web 2.0 zum kollaborativen Lernen kaum gelingen.  Für die Lehrenden bedeutet dies, dass sie sich mit vielleicht komplett unbekannten Werkzeugen und Konzepten beschäftigen müssen, für die Studierenden, dass Sie die oftmals bekannten Web 2.0-Werkzeuge nicht nur in Ihrer Freizeit benutzen, um z.B. mit Freunden über das Internet via Skype zu telefonieren, sondern auch zum (kooperativen) Lernen.

Wir haben die Notwendigkeit des Muts zur Neugierde in verschiedenen Zusammenhängen in den Praxisberichten wiedergefunden. So nennt Sandra Hofhues sie als notwendige Fähigkeit der Lehrenden:

„Ich selbst versuche, nicht stehen zu bleiben, d.h. mich ständig über neue Entwicklungen im E-Learning auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig den Mut zu bewahren, permanent neue Werkzeuge auszuprobieren (auch auf die Gefahr hin, hin und wieder mit dem Medieneinsatz zu scheitern).“

Luka Peters nennt die Experimentierfreude als Fähigkeit, die Studierende mitbringen sollten:

Der Einsatz dieser Tools für die Erreichung der eigenen Lernziele ist aber noch ungewohnt. Daher ist neben einem guten Maß Experimentierfreude auch eine klare Lernzieldefinition und eine regelmäßige begleitende Evaluation dazu wichtig.

Dies fasst Oliver Tacke mit der folgenden Aussage zusammen:

„Die Studierenden konnten sich problemlos die Bedienung des Wikis selbst aneignen. Allgemein: Potenziale erkennen, die im Web 2.0 stecken – selbst Inhalte produzieren, Wissen mit anderen teilen und neues konstruieren und dabei selbst lernen. Setzt aber sicher oft eine Einstellungsänderung der Lehrenden voraus.“

Auch im studentischen Beitrag von Svenja Vozenilek findet sich die Forderung nach Mut zur Neugierde bei den notwendigen Fähigkeiten von Lehrenden und Studierenden wieder.

„Abgesehen von einer gewissen technischen Kompetenz und der Offenheit für Neues auf beiden Seiten sehe ich nichts, was jetzt Web 2.0-spezifisch wäre.“





Mut zur Hilflosigkeit oder Hilfsbedürftigkeit

10 09 2010

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden Mut zur Hilflosigkeit oder Hilfsbedürftigkeit.

Verbunden mit dem Mut zur Neugierde und der Beschäftigung mit für viele ganz neuen Technologien ist auch die Notwendigkeit, Mut zur Hilflosigkeit zu haben, auch mal nicht weiter zu wissen, sich helfen zu lassen und Unterstützung an den Punkten zu erhalten, an denen man so ohne Weiteres einfach nicht weiter weiß. Mut zur Hilflosigkeit mag bei Lehrenden und Studierenden verschieden aussehen, spielt aber bei beiden Gruppen eine wesentliche Rolle.

Studierende kennen sich, wenn wir den Praxisberichten glauben, grundsätzlich gut mit den Web 2.0-Techniken aus, benötigen aber dennoch Hilfe und Unterstützung, wenn es darum geht, diese für das alleinige oder gemeinsame Lernen einzusetzen:

„Die Zusammenarbeit verhält sich von Seminar zu Seminar unterschiedlich und auch die Tools „funktionieren“ unterschiedlich gut. Tendenziell klappt der Austausch von Informationen gut – dies sind die Studierenden gewohnt und passt in ihr Bild von Universität. Komplizierter wird es, sobald Reflexions- und Gruppenaustauschprozesse angestoßen werden sollen. Hierin wird zunächst kein Sinn gesehen bzw. es ist erhebliches Eingreifen durch Lehrende/Tutoren notwendig.“ (Sandra Hofhues)

Oder, wie der Bericht von Luka Peters zeigt, die Angst vor Blamage führt zur Vorsicht beim Einsetzen der Tools für das Lernen:

Besonders die Arbeit mit dem Wiki wurde als Herausforderung bezeichnet. Wie auch beim Blog hatten manche Angst davor, sich vor anderen „zu blamieren“.“

So müssen sich Studierende vielleicht Kommilitonen oder aber ihren Lehrenden gegenüber als ahnungslos oder hilflos offenbaren. Das Einholen von Unterstützung kann Überwindung kosten, vor allem, wenn Kommilitonen als potentielle Konkurrenten oder Lehrende mehr als Prüfer denn als Lernunterstützer gesehen werden – was sicherlich auch vom Klima in der Gruppe und zwischen Lehrendem und Studierendem  abhängt. Ist es positiv, kann dies zu einer vielleicht unerwarteten Offenheit führen, wie der Praxisbericht von Luka Peters zeigt:

„Die Studierenden sind zum Teil anfangs mit einer gewissen Scheu an den aktiven, produktiven Einsatz der Anwendungen herangegangen, haben aber immer ihre Aufgaben bewältigt. Ich habe die Offenheit, mit der Fragen gestellt wurden, sehr positiv erlebt, es hatte niemand Angst sein oder ihr Gesicht zu verlieren.“

Aber gerade auch für Lehrende kann Hilflosigkeit eine fast unüberwindbare Mauer darstellen, die dann vielleicht sogar dazu führt, dass Web 2.0 gar nicht erst für die Lehre in Erwägung gezogen wird. Sich gegenüber Kollegen, einer zur Unterstützung von Lehrenden ins Leben gerufenen Einrichtung wie der Hochschuldidaktik oder der E-Learning-Einrichtung oder sogar Studierenden einzugestehen, dass man nicht weiter weiß und Unterstützung bei der Umsetzung oder Veränderung der eigenen Lehre benötigt, kann schwer sein.  Noch stärker als Studiereden sehen sich Lehrende dem Druck ausgesetzt, alles kennen und können zu müssen. Dabei sind sicherlich Grundkenntnisse vor dem  eigentlichen Einsatz in der Veranstaltung notwendig:

„Lehrender sollte natürlich Erfahrung mit Wikis haben“ (Oliver Tacke)

„Ich selber muss kompetent in der Handhabe des Werkzeugs sein, hinsichtlich der Aufgabenstellung konkret und eindeutig sein und zuverlässig Feedback geben.“
(Sandra Niemeier)

Dies wird auch von den Studierenden eingefordert, wie Svenja Vozenilek in Ihrem Bericht verdeutlicht:

„Lehrende müssen schon selbst halbwegs fit in den Anwendungen sein, die sie einsetzen wollen und dürfen nicht erwarten, dass der Input da nur von den Studis kommt.“

Die Hilflosigkeit kann aber ja beim Lehrenden nicht erst in der Lehr-Lernsituation entstehen,  sondern lange vorher: Wen frage ich, wenn ich jetzt was mit Blogs machen möchte? Ist es schlimm, wenn ich mal nicht weiß, wie man im Wiki etwas formatiert? Auch Kollegen oder hochschuldidaktische Beratung diesbezüglich in Anspruch zu nehmen, kann Mut erfordern.  Wichtig ist hierfür unserer Meinung nach nicht nur eine grundlegende Versorgung mit Weiterbildungsangeboten, sondern vor allem die individuelle Beratung der Lehrenden (vgl.  Kaltenbaek 2009, S. 385).

Kaltenbaek, J. (2009). Hochschule Online – Online lehren und lernen in der Hochschule. In L. J. Issing & P. Klimsa (Eds.), Online-Lernen. Handbuch für Wissenschaft und Praxis (pp. 367–388). München: Oldenbourg.





Mut zum Fehler machen

10 09 2010

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden Mut zum Fehler machen.

Der Einsatz von Wikis, Blogs und Co. bringt die Wahrscheinlichkeit mit sich, dass man Fehler macht; ganz einfach aufgrund des Neuigkeitswerts in Bezug auf die Technik selbst, aber auch in Bezug auf deren methodischen Einsatz in der Lehre. Sowohl Lehrende als auch Studierende haben noch keine oder wenig Erfahrung mit den Konsequenzen des Technikeinsatzes: auf technischer Ebene, auf der der Lehr-Lernprozesse und der damit verbundenen Lehr-Lernumwelt.

Es kann durchaus passieren, dass Lehrende bei der Aufgabengestaltung Fehler machen. Zum Beispiel sind Online- und Präsenzarbeitsphasen vielleicht nicht bis ins Detail durchdacht, was in der Praxis zu Missverständnissen oder Redundanzen führen kann. Oder die Auswahl des Web 2.0 Tools ist nicht angemessen für den beabsichtigten Lernprozess, was eventuell zu Unmut oder Unverständnis seitens der Studierenden führen kann. Hier ist es wichtig, dass sie Lehrende immer vor Augen führen, dass es okay ist, solche Fehler zu machen. Ebenso wichtig ist es dann natürlich, sich in einen ständigen Evaluationsprozess (auch im Austausch mit den Studierenden) zu begeben, um zukünftige Fehler zu vermeiden und das Lehr-Lernkonzept zu verbessern.

„Ich selbst versuche, nicht stehen zu bleiben, d.h. mich ständig über neue Entwicklungen im E-Learning auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig den Mut zu bewahren, permanent neue Werkzeuge auszuprobieren (auch auf die Gefahr hin, hin und wieder mit dem Medieneinsatz zu scheitern).“ (Sandra Hofhues)

Für Studierende ist es zwar selbstverständlicher, insbesondere inhaltliche Fehler machen zu dürfen, jedoch benötigen sie auch hier den Mut zum Fehler machen in Hinblick auf das Betreten neuer Lernwege. Besonders das dialogorientierte Lernen im Netzwerk (siehe Mut zur Kooperation) bringt oftmals Fehler mit sich, die dadurch entstehen, dass entsprechende Verhaltensweisen und Kulturen (noch) nicht gewachsen sind. So passiert es, dass Studierende ihre Gewohnheit, „auf dem letzten Drücker“ zu arbeiten, noch nicht abgelegt haben, obwohl das Arbeiten im Wiki beispielsweise besser in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess funktioniert.

„Nachteilig empfand ich, dass Studierende (offenbar aus chronischem Zeitmangel) zunächst wenig im Wiki arbeiten, und erst kurz vor Ende der Abgabefrist jeder Aufgabe exzessiv im Wiki-Artikel schreiben.“ (Sarah Niemeier)

Dies mag man zwar nicht als fehlerhaftes Verhalten beschreiben, dennoch werden dadurch eigentliche Lernprozesse erst gar nicht erlebt: Im Prozess bereits den produzierten Inhalt zu reflektieren, von anderen Beiträgen zu lernen, diese an- oder abzulehnen und daraus neuen Inhalt zu konstruieren. Hierzu gehört natürlich auch die Fähigkeit, den Lernprozess reflektieren zu können, um die Fehler zu entdecken und entsprechend korrigieren zu können.

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden Mut zum Fehler machen.

Der Einsatz von Wikis, Blogs und Co. bringt die Wahrscheinlichkeit mit sich, dass man Fehler macht; ganz einfach aufgrund des Neuigkeitswerts in Bezug auf die Technik selbst, aber auch in Bezug auf deren methodischen Einsatz in der Lehre. Sowohl Lehrende als auch Studierende haben noch keine oder wenig Erfahrung mit den Konsequenzen des Technikeinsatzes: auf technischer Ebene, auf der der Lehr-Lernprozesse und der damit verbundenen Lehr-Lernumwelt.

Es kann durchaus passieren, dass Lehrende bei der Aufgabengestaltung Fehler machen. Zum Beispiel sind Online- und Präsenzarbeitsphasen vielleicht nicht bis ins Detail durchdacht, was in der Praxis zu Missverständnissen oder Redundanzen führen kann. Oder die Auswahl des Web 2.0 Tools ist nicht angemessen für den beabsichtigten Lernprozess, was eventuell zu Unmut oder Unverständnis seitens der Studierenden führen kann. Hier ist es wichtig, dass sie Lehrende immer vor Augen führen, dass es okay ist, solche Fehler zu machen. Ebenso wichtig ist es dann natürlich, sich in einen ständigen Evaluationsprozess (auch im Austausch mit den Studierenden) zu begeben, um zukünftige Fehler zu vermeiden und das Lehr-Lernkonzept zu verbessern.

„Ich selbst versuche, nicht stehen zu bleiben, d.h. mich ständig über neue Entwicklungen im E-Learning auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig den Mut zu bewahren, permanent neue Werkzeuge auszuprobieren (auch auf die Gefahr hin, hin und wieder mit dem Medieneinsatz zu scheitern).“

(Sandra Hofhues)

Für Studierende ist es zwar selbstverständlicher, insbesondere inhaltliche Fehler machen zu dürfen, jedoch benötigen sie auch hier den Mut zum Fehler machen in Hinblick auf das Betreten neuer Lernwege. Besonders das dialogorientierte Lernen im Netzwerk (siehe Mut zur Kooperation) bringt oftmals Fehler mit sich, die dadurch entstehen, dass entsprechende Verhaltensweisen und Kulturen (noch) nicht gewachsen sind. So passiert es, dass Studierende ihre Gewohnheit, „auf dem letzten Drücker“ zu arbeiten, noch nicht abgelegt haben, obwohl das Arbeiten im Wiki beispielsweise besser in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess funktioniert.

„Nachteilig empfand i

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden Mut zum Fehler machen.

Der Einsatz von Wikis, Blogs und Co. bringt die Wahrscheinlichkeit mit sich, dass man Fehler macht; ganz einfach aufgrund des Neuigkeitswerts in Bezug auf die Technik selbst, aber auch in Bezug auf deren methodischen Einsatz in der Lehre. Sowohl Lehrende als auch Studierende haben noch keine oder wenig Erfahrung mit den Konsequenzen des Technikeinsatzes: auf technischer Ebene, auf der der Lehr-Lernprozesse und der damit verbundenen Lehr-Lernumwelt.

Es kann durchaus passieren, dass Lehrende bei der Aufgabengestaltung Fehler machen. Zum Beispiel sind Online- und Präsenzarbeitsphasen vielleicht nicht bis ins Detail durchdacht, was in der Praxis zu Missverständnissen oder Redundanzen führen kann. Oder die Auswahl des Web 2.0 Tools ist nicht angemessen für den beabsichtigten Lernprozess, was eventuell zu Unmut oder Unverständnis seitens der Studierenden führen kann. Hier ist es wichtig, dass sie Lehrende immer vor Augen führen, dass es okay ist, solche Fehler zu machen. Ebenso wichtig ist es dann natürlich, sich in einen ständigen Evaluationsprozess (auch im Austausch mit den Studierenden) zu begeben, um zukünftige Fehler zu vermeiden und das Lehr-Lernkonzept zu verbessern.

„Ich selbst versuche, nicht stehen zu bleiben, d.h. mich ständig über neue Entwicklungen im E-Learning auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig den Mut zu bewahren, permanent neue Werkzeuge auszuprobieren (auch auf die Gefahr hin, hin und wieder mit dem Medieneinsatz zu scheitern).“

(Sandra Hofhues)

Für Studierende ist es zwar selbstverständlicher, insbesondere inhaltliche Fehler machen zu dürfen, jedoch benötigen sie auch hier den Mut zum Fehler machen in Hinblick auf das Betreten neuer Lernwege. Besonders das dialogorientierte Lernen im Netzwerk (siehe Mut zur Kooperation) bringt oftmals Fehler mit sich, die dadurch entstehen, dass entsprechende Verhaltensweisen und Kulturen (noch) nicht gewachsen sind. So passiert es, dass Studierende ihre Gewohnheit, „auf dem letzten Drücker“ zu arbeiten, noch nicht abgelegt haben, obwohl das Arbeiten im Wiki beispielsweise besser in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess funktioniert.

„Nachteilig empfand ich, dass Studierende (offenbar aus chronischem Zeitmangel) zunächst wenig im Wiki arbeiten, und erst kurz vor Ende der Abgabefrist jeder Aufgabe exzessiv im Wiki-Artikel schreiben.“

(Sarah Niemeier)

Dies mag man zwar nicht als fehlerhaftes Verhalten beschreiben, dennoch werden dadurch eigentliche Lernprozesse erst gar nicht erlebt: Im Prozess bereits den produzierten Inhalt zu reflektieren, von anderen Beiträgen zu lernen, diese an- oder abzulehnen und daraus neuen Inhalt zu konstruieren. Hierzu gehört natürlich auch die Fähigkeit, den Lernprozess reflektieren zu können, um die Fehler zu entdecken und entsprechend korrigieren zu können.

ch, dass Studierende (offenbar aus chronischem Zeitmangel) zunächst wenig im Wiki arbeiten, und erst kurz vor Ende der Abgabefrist jeder Aufgabe exzessiv im Wiki-Artikel schreiben.“

(Sarah Niemeier)

Dies mag man zwar nicht als fehlerhaftes Verhalten beschreiben, dennoch werden dadurch eigentliche Lernprozesse erst gar nicht erlebt: Im Prozess bereits den produzierten Inhalt zu reflektieren, von anderen Beiträgen zu lernen, diese an- oder abzulehnen und daraus neuen Inhalt zu konstruieren. Hierzu gehört natürlich auch die Fähigkeit, den Lernprozess reflektieren zu können, um die Fehler zu entdecken und entsprechend korrigieren zu können.





Mut zur Kooperation

10 09 2010

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden Mut zur Kooperation.

Mit dem „Shift from Teaching to Learning“ (vgl. Behrendt 1999, 2002, Wildt 2006), der sich in der Hochschule derzeit vollzieht, verlagert sich der Fokus von Lehren und Lernen auf die „Learning Outcomes“. Anstatt sich wie in der bislang geläufigsten Form der Lehre auf den „Input“ durch den Dozenten oder die Dozentin zu konzentrieren, was auf eine starke Inhaltsorientierung hinausläuft, wird es wichtig, „den Blick (…) auf die Ergebnisse des Lernens („Output-Orientierung“, „Learning-Outcomes“)  und die Strategien, mit denen sie erreicht werden“ (Wildt 2006, 2), zu lenken. Mit anderen Worten erhalten auch die Verarbeitungsmethoden und -wege der Inhalte durch die Lernenden einen höheren Stellenwert als bislang.

Gerade beim Einsatz von Methoden befindet sich das Studium durch den „Shift“ im Wandel. Die sozialen und kulturellen Aspekte des Lernens gewinnen an Bedeutung (vgl. Erpenbeck & Sauter 2007, 177), da der kommunikative Austausch, die Erkenntnis von multiplen Perspektiven sowie die Reflexion des Gelernten lernförderliche Elemente sind und verstärkt zum „Output“ beitragen können. Das Lernen in Gruppen, z.B. durch Projektarbeit, soll entsprechende Prozesse unterstützen. Die Vorteile des Gruppenlernens finden sich natürlich auch in der Anwendung von Web 2.0 wider. Beim Lernen in Netzen bzw. Netzwerken entsteht Wissen im sozialen Kontext, „findet nicht ausschließlich im Kopf des Lernenden statt, sondern basiert auf gemeinsamen Aktivitäten“ (ebd.).

Voraussetzung für das Lernen in Gruppen ist die Kooperationsbereitschaft. Studierende müssen Mut zur Kooperation beweisen, da sie es eventuell nicht gewohnt sind, gemeinsam zu lernen. Dies kann unterschiedliche Gründe haben: Es wird nicht von den Lehrenden gefördert, es steht in Diskrepanz zu den vorherrschenden Prüfungsformen (vgl. Reinmann-Rothmeier & Mandl 2001, 636), oder die Studierenden haben bereits eine Abneigung gegenüber dieser Lernform aufgrund von schlechten Erfahrungen in der Schule zum Beispiel. Unter Mut zur Kooperation verstehen wir die Bereitschaft, gemeinsam Lernziele zu entwickeln, den Weg dorthin zu organisieren, sich über Lernerfolge und -misserfolge auszutauschen und diese zu reflektieren, Konflikte zu bewältigen und entsprechend auch den Mut zur Hilfsbedürftigkeit sowie zum Fehler machen zu haben.

Die Web2.0 Praxis zeigt, dass es hier noch Entwicklungsbedarf gibt:

„Tendenziell klappt der Austausch von Informationen gut – dies sind die Studierenden gewohnt und passt in ihr Bild von Universität. Komplizierter wird es, sobald Reflexions- und Gruppenaustauschprozesse angestoßen werden sollen.“ (Sandra Hofhues)

Da es sich hier um komplexe soziale Vorgänge handelt, ist es vielleicht auch nötig, sich mit Blended Learning Szenarien zu behelfen. In Präsenz können sich Studierende, so unsere Vermutung, besser über Schwierigkeiten austauschen als über das Internet.

„Im Seminar läuft [die Zusammenarbeit] prima, wengleich es ein Blended-Learning-Szenario ist und so die Zusammenarbeit nicht ausschließlich über das Wiki läuft.“ (Oliver Tacke)

Darüber hinaus wird auch vorgeschlagen, die Gruppenarbeit stärker zu begleiten bzw. Vorgaben zu machen – auch mit dem Bewusstsein, das selbstorganisierte Lernen dadurch einzuschränken.

Ich gebe kleinschrittige Ziele vor, die die selbstständige Entfaltung zwar etwas behindern, aber einen durchgehenden Arbeitsfluss garantieren.“ (Sarah Niemeier)

Andererseits gibt es auch neu erlebte Hochgefühle bei den Studierenden, da sie sich in der Gruppe gut aufgehoben fühlen:

„[Ich empfand die Zusammenarbeit als] Sehr positiv, es stellte sich bei mir schnell das Gefühl von „in einem Boot sitzen“ ein.“ (Svenja Vozenilek)

Auch Lehrende müssen Mut zur Kooperation beweisen. Dadurch, dass sie sich auf methodisches Neuland begeben, ist es für sie sinnvoll, sich von der lehrendenorientierten Haltung abzuwenden und sich mehr als gleichberechtigte Partner/innen der Studierenden zu betrachten. Sie geben zwar möglicherweise impulsgebenden Input, jedoch spiegeln sie im Diskurs „nur“ eine der vielen Sichtweisen wider, die im Netzwerk ausgetauscht werden. Hier könnte man auch von einem gewissen Mut zum Loslassen sprechen. Luka Peters nennt es Flexibilität, die den Lehrenden abverlangt wird:

„Partizipatorisches Lehren und Lernen verlangt nach mehr Flexibilität (besonders der Lehrenden), denn durch die forcierte selbstgesteuerte Zusammenarbeit der Lernenden können neue Situationen im Seminar entstehen, z.B. unerwarteter Diskussionsbedarf, unvorhergesehene technische Schwierigkeiten etc.“

Quellen

Berendt, B. (1999). Academic Staff Development in Europe – Relevance, Types of Programmes and Suggestions for Discussion. In UNESCO (Ed.), Vol. Vol. IV. World Conference on Higher Education. Higher Education in the 21st Century. Vision and Action. Higher Education Staff Development: A Continuing Mission (pp. 30–40). Paris.

Berendt, B. (2002). “The Shift from Teaching to Learning” – Unterstützung durch hochschuldidaktische Weiterbildungsveranstaltungen auf institutioneller, nationaler und internationaler Ebene. In J. Asdonk & L. Huber (Eds.), Blickpunkt Hochschuldidaktik: Vol. 109. Bildung im Medium der Wissenschaft. Zugänge aus Wissenschaftspropädeutik, Schulreform und Hochschuldidaktik ; Festschrift zur Emeritierung von Ludwig Huber. Dr. nach Typoskript. (pp. 175–185). Weinheim: Dt. Studien-Verl.

Erpenbeck, J., & Sauter, W. (2007). Kompetenzentwicklung im Netz: New Blended Learning mit Web 2.0. Köln: Luchterhand.

Reinmann-Rothmeier, G., & Mandl, H. (2001). Unterrichten und Lernumgebungen gestalten. In A. Krapp & B. Weidenmann (Eds.), Pädagogische Psychologie. Ein Lehrbuch. 4., vollst. überarb. Aufl. (pp. 601–646). Weinheim: Beltz PVU.

Wildt, J. (2006). Vom Lehren zum Lernen. Zum Wandel der Lernkultur in modularisierten Studienstrukturen. In B. Berendt (Ed.), Raabe – nachschlagen, finden: . Neues Handbuch Hochschullehre. : Lehren und Lernen effizient gestalten. 2. Aufl. (pp. A 3.1). Stuttgart: Raabe.





Praxisbericht Web 2.0-Einsatz: Luka Peters

11 08 2010

Welche Web 2.0-Anwendung(en) haben Sie bereits in einer oder mehrerer Ihrer Lehrveranstaltungen eingesetzt?

Im Laufe der Jahre habe ich den Medieneinsatz in Seminaren immer wieder sowohl dem jeweiligen Thema als auch den technischen Veränderungen angepaßt. Angefangen hat alles vor einigen Jahren mit einem selbstprogrammierten LMS auf Basis eines Open-Source-CMS, über das die Seminar-TN Zugang zu geschützten Ressourcen hatten. Seitdem sind andere, auch kommerzielle LMS, z.T. von Unternehmen gesponsert, zum Einsatz gekommen. Die meisten LMS, wie Dokeos, Moodle oder ILIAS, bieten Kommunikationsfunktionen von Hause aus an, manche haben inzwischen auch einen Teil der sog. „Web 2.0-Technologien“ integriert – wenn auch oft mit geringerem Funktionsumfang als die freistehenden Applikationen. Im letzten Wintersemester habe ich neben den inzwischen üblichen Applikationen wie Foren, Datenrepositorium und Online-Tests folgende Tools eingesetzt:
– Wiki
– Blog
– Skype
– WizIQ
– mixxt
– LimeSurvey

Wie haben Sie diese Anwendung in Ihrer Veranstaltung eingesetzt? Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften an der FH Düsseldorf bietet im Rahmen des Studiengangs „Multimedia- und Kommunikationsmanagement“ ein Spezialisierungsmodul „E-Learning“ an. Zu den Lernzielen gehört die Fähigkeit, E-Learning-Konzepte und verschiedene Szenarien ökonomisch zu bewerten. Um dies zu können müssen die Studierenden aber auch Kenntnisse didaktischer Konzeption und einsetzbarer Technologien haben.

In einer Blended-Learning-Veranstaltung konnte ich Theorie und Praxis eng verzahnen und damit die breitgefächerten Seminaranforderungen erreichen.

Folgende Plattformen habe ich eingesetzt:
– mixxt.de (http://elearning-wirtschaft.mixxt.de) für eine gemeinsame soziale Lernplattform (SLE, Social Learning Environment). Mixxt integriert verschiedene Kommunikations- und Kooperationsmittel wie z.B. Wiki, Foren, Gruppen und Gruppenforen sowie Gruppennachrichten und RSS
– ein Seminar-Weblog (http://www.elarning-wirtschaft.de)

Und so wurden die verschiedenen Applikationen im Seminar eingesetzt:

– Wiki: Das in der SLE integrierte Wiki diente alternierend zur gemeinsamen Recherche und Problemlösung sowie zur individuellen Aufgabenbearbeitung. Die Studierenden lernten auf diese Weise sowohl kooperatives Arbeiten in Online-Umgebungen als auch Prozesse und Methoden individuellen Wissensmanagements kennen.
– Blog: Im wöchentlichen Rotationsverfahren war jede/r TN verpflichtet, einen Blogbeitrag zu einem Thema zu schreiben, das ihn oder sie gerade besonders beschäftigte. Es gab dabei keine inhaltliche Bindung an das Seminar, diese verstärkte sich aber im Laufe des Semesters von selber, wie die Blogbeiträge zeigen.
– Skype wurde von uns wöchentlich für Konferenzgespräche genutzt. Im zweiten Semesterdrittel gab es eine zusätzliche Skypesprechstunde, in der die Studierenden ihren individuellen Leistungsstand erfahren und weitere Fragen klären konnten. Ein besonderer Veranstaltungstermin war als Debattierclub konzipiert: Zwei Gruppen standen sich mit kontroversen Meinungen gegenüber und debattierten per Skype. Im Anschluß wurden die Vor- und Nachteile einer solchen virtuellen Debatte und die Grenzen digitaler Dialoge diskutiert.
– Mit WizIQ (www.wiziq.com) nutzten wir ein webbasiertes Werkzeug für virtuelle Klassenräume. Hier ist es möglich, per Audio und (wahlweise) Video in Gruppen ohne quantitative Begrenzung zu kommunizieren. Die Studierenden stellten eigene Vorträge vor, es gab einen Gastvortrag, und ich konnte zweimal ursprünglich für die Präsenzveranstaltung vorgesehene Referate stattdessen online präsentieren. Die interaktiven Whiteboards ermöglichen auch hier kooperatives Arbeiten, zum Beispiel durch die gemeinsame Entwicklung grafischer Darstellungen von Problemfeldern und Lösungen.
– Mit dem OpenSource-Werkzeug LimeSurvey und des Dienstes LimeService (http://www.limesurvey.org und https://www.limeservice.com/) haben die Studierenden ein Fragebogendesign online umgesetzt, die Umfrage durchgeführt und ausgewertet.

Wie haben Sie das, was Sie mit der/den Web 2.0-Anwendung(en) umgesetzt haben, vorher in der Veranstaltung bearbeitet?

Generell hatten die Studierenden während der Präsenztermine zu Anfang des Semesters Zeit, sich mit der Handhabung vertraut zu machen und Fragen zu stellen. Keine Anwendung wurde ihrerselbst wegen verwendet, sondern stand untrennbar im Kontext des Seminarthemas und der zu bewältigenden Aufgaben. Daher wurde ein „le technique pour le technique“ vermieden und der Fokus immer wieder auf die Frage gerichtet, wie man mit digitalien, multimedialen Medien die definierten Ziele erreichen kann.

Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit den Studierenden über Web 2.0-Anwendungen empfunden?

Die Studierenden sind zum Teil anfangs mit einer gewissen Scheu an den aktiven, produktiven Einsatz der Anwendungen herangegangen, haben aber immer ihre Aufgaben bewältigt. Ich habe die Offenheit, mit der Fragen gestellt wurden, sehr positiv erlebt, es hatte niemand Angst sein oder ihr Gesicht zu verlieren. Im Verlauf des Semesters entwickelte ein Teil der Studierenden Experimentierfreude (auch sonst wenig genutzte Features wurden ausprobiert) und kritische Diskussionen zu verschiedenen Aspekten kamen ebenfalls zustande. In anderen Worten: Nicht nur die Partizipation, sondern auch das selbstständige Denken wurde angeregt.

Welches Feedback haben Sie von den Studierenden zum kollaborativen Arbeiten im Web in Ihrer Lehrveranstaltung erhalten?

Besonders die Arbeit mit dem Wiki wurde als Herausforderung bezeichnet. Wie auch beim Blog hatten manche Angst davor, sich vor anderen „zu blamieren“. Zugleich äußerten die Studierenden aber auch, dass die Lernphase im Umgang mit den Applikationen kurz, die Lernkurve daher steil war und die kooperative Arbeit im Wiki als sehr bereichernd im Lernprozess empfunden wurde. Die Kommunikation mit Skype war den Studierenden geläufig; neu war für sie allerdings der Einsatz dieses Tools im direkten Seminarkontext und sie bewerteten die Entwicklung neuer Formate, wie den Debattierclub und die Onlinesprechstunde, positiv. Besonders günstig wurden in der Evaluation die Online-Konferenzen bzw. virtuellen Klassenräume bewertet. Hier gefiel den Studierenden vor allem die gemeinsame Arbeit an den Whiteboards sowie die Möglichkeit, Gastdozenten virtuell zu treffen.
Die regelmäßige Arbeit am Weblog führte laut Evaluation zu einer bewußteren Auseinandersetzung mit eigenen Inhalten und Stilen.
Darüberhinaus wurde die Flexibilität des Seminarkonzepts gewürdigt, die es ermöglichte, ursprünglich für den Präsenztermin vorgesehene Elemente stattdessen online durchzuführen. Die Möglichkeit durch aufgezeichnete virtuelle Konferenzen diese nochmals anzusehen, kam ebenfalls gut an. Und natürlich war es für alle Beteiligten angenehm, Fahrzeiten sparen zu können.

Welche Vorteile haben sich aus der partizipativen Mitarbeit der Studierenden in Ihrer Lehrveranstaltung ergeben? Welchen Mehrwert sehen Sie für die Studierenden und/oder für sich? Welche Nachteile?

Vorteile und Mehrwerte:
– Erlangung zusätzlicher Medienkompetenzen, die zukünftig in verschiedenen Lebens- und Berufskontexten genutzt werden können.
– Zusätzliche organisatorische und kommunikative Kompetenzen, insbesondere durch die Abstimmung der gemeinsamen Arbeit am Wiki sowie der Arbeit am Fragebogen.
– Zeitersparnis durch Online-Termine
– Online-Gastvorträge ohne Reisekosten
– Dank verschiedener Kommunikationskanäle kann man die Studierenden sehr intensiv betreuen.

Probleme:
– Wer an Skype- oder WizIQ-Terminen teilnehmen will, braucht einen Netzzugang mit guter Bandbreite. ISDN und im Wohnheim geteiltes WLAN machten Probleme.
– Unter Umständen muß in Hardware investiert werden, z.B. sind Headsets besser als integriertes Mikro mit Lautsprechern am Laptop. Und wer zu Hause keinen Rechner oder keinen Internetzugang hat lernt den „digital divide“ kennen.
– Die Arbeit mit einem Wiki kann Studierenden zu copy&paste von anderen Webseiten (vor allem aus Wikipedia) verleiten. Es ist wichtig, den Studierenden den Vorteil deutlich zu machen, den sie durch tiefere Recherchen und eigenständiges Denken haben. Zusätzlich empfiehlt sich zumindest eine stichprobenartige Kontrolle der eingepflegten Inhalten (z.B. mit Hilfe von Plagiatfindern). Das bedeutet aber natürlich Mehraufwand.
– Das Seminarkonzept muß gut durchdacht sein, damit es funktioniert. In diesem Fall war es wegen der starren curricularen Vorgaben etwas extrem, denn wir hatten jede Woche einen Präsenz- und zwei Online-Termine. In der Regel hat man ja eher blockartig organisierte Seminare mit längeren Onlinephasen.
– Die Lehrperson sollte selber gut vertraut mit den Anwendungen sein, die er/sie einsetzen will, um kompetent den Studierenden helfen zu können. Hier ist also ggf. mit zusätzlicher Vorbereitungszeit zu rechnen.
– Stellt die Hochschule, wie in diesem Fall, keine geeignete Infrastruktur zur Verfügung, muß die Lehrperson auch diese Dinge selber aufsetzen können (z.B. ein Weblog installieren). Hier sind daher im schlechtesten Fall weitere Kompetenzen und Zeitressourcen nötig.
– Es ist sehr wichtig, die Zeiten, zu denen man per Skype, E-Mail oder Forum erreichbar ist, eindeutig zu definieren. 12-Stunden-Reaktionszeiten bei vermeintlichen Problemen haben sich auch als sinnvoll erwiesen, damit die Studierenden die Möglichkeit haben, erstmal selber nach einer Lösung zu schauen.

Welche Konsequenzen ziehen Sie selbst aus den von Ihnen gemachten Erfahrungen? Welche Verbesserungsmöglichkeiten sehen Sie?

Man sollte den Studierenden Zeit zur Einarbeitung lassen, nach Möglichkeit die Angst vor den ungewohnten Anwendungen und besonders vor der produktiven Online-Arbeit nehmen, Raum zum Experimentieren lassen und nicht zu viel steuern, damit Neues entstehen kann. Dies erfordert von den Lehrenden andererseits aber auch den Mut, sich auf Experimente und Unverhergesehens einzulassen. Aber jeder Lehrende ist auch Lernender.
Verbesserungsmöglichkeiten sehe ich vor allem im organisatorischen und infrasturkturellen Bereich seitens der Hochschulen. Da gibt es viel Nachholbedarf, die Lehrenden werden oft nicht oder nicht genug unterstützt.

Welche unterstützenden Maßnahmen beim Einsatz von Web 2.0-Anwendungen wünschen Sie sich? (Hiwis, Anleitungen, Beratung …)

Da ich mit digitalen Medien schon sehr lange vertraut bin, brauchte ich glücklicherweise keine Unterstützung bei dem Einsatz dieser Anwendungen. Generell würde ich aber empfehlen:
– Hochschul-Lernplattformen, die lebendige Kommunikation und Kooperation ermöglichen, am besten in Vernetzung mit den gleichen Studiengängen an anderen Hochschulen
– E-Learning-Center, die die Lehrenden umfassend auf solche neuen Lehr- und Lernformen vorbereiten
– Lehrende, die nicht müde abwinken, wenn Kollegen sie von den Vorteilen für alle Beteiligten an partizipativen Lehr-Lernprozessen überzeugen wollen, sondern die mehr Leidenschaft für die Lehre zeigen
– Hochschulverwaltungen, die die Notwendigkeit zügiger finanzieller Ausstattungen für die Infrastuktur erkennen

Welche zukünftigen Einsatzmöglichkeiten können Sie sich (konkret) für Ihre Lehrtätigkeit vorstellen? Wohin geht Ihrer Meinung nach die Gesamttendenz?

Die Entwicklung von Einsatzmöglichkeiten hängt nicht zuletzt von Fach und Seminarthema ab. Ich werde auf jeden Fall die Einsatzmöglichkeiten partizipativer Applikationen weiter untersuchen und ausbauen. In einem anderen meiner Seminare haben die Studierenden der Medienwissenschaft eigene Podcast-Episoden konzipiert, aufgenommen, geschnitten und veröffentlicht. Das ist ein Beispiel für fachabhängige Konzepte.
Ich sehe derzeit keine Gesamttendenz, denn Lehrende halten sich an deutschen Hochschulen noch viel zu sehr mit dem Einsatz partizipativer Methoden zurück. E-Learning bedeutet für viele noch immer die Aufzeichnung und das Streaming ihrer Vorlesung.

Welche Fähigkeiten müssen die Studierenden mitbringen, um Web 2.0 für ihr Studium gewinnbringend einzusetzen? Welche Fähigkeiten benötigen Sie selbst?

Partizipation in der Lehre ist i.d.R. sowohl für Lehrende wie auch für Lernende noch ungewohnt. Dieser Ansatz erfordert erweiterte kommunikative und organisatoriche Fähigkeiten.
Die Studierenden bringen in der Mehrzahl ausreichend Vorkenntnisse im Umgang mit gängigen Web-2-Applikationen mit und können diese meist auch schnell auf neue Anwendungen transferieren. Der Einsatz dieser Tools für die Erreichung der eigenen Lernziele ist aber noch ungewohnt. Daher ist neben einem guten Maß Experimentierfreude auch eine klare Lernzieldefinition und eine regelmäßige begleitende Evaluation dazu wichtig. So wird verhindert, dass das „Spielen“ mit den technischen Möglichkeiten zum Fokus wird. Ähnliches gilt für die Lehrenden, die ebenfalls ihren Lehrprozess regelmäßig überprüfen müssen und sich auch der Frage stellen sollten (spätestens am Ende des Semesters), ob die eingesetzten Mittel bei der Erreichung der gesetzten Ziele hilfreich oder hinderlich waren.
Partizipatorisches Lehren und Lernen verlangt nach mehr Flexibilität (besonders der Lehrenden), denn durch die forcierte selbstgesteuerte Zusammenarbeit der Lernenden können neue Situationen im Seminar entstehen, z.B. unerwarteter Diskussionsbedarf, unvorhergesehene technische Schwierigkeiten etc.