Nur Mut zum Mut: Lehren mit Online-Werkzeugen wagen bedeutet, auch mal mutig sein zu müssen

10 09 2010

Nach unserem Aufruf haben sich einige Lehrende und (leider nur) eine Studierende gemeldet, um von Ihren Erfahrungen mit dem Einsatz von Web 2.0 im Hochschulkontext zu berichten. Aus diesen Praxisberichten, die sich alle an unseren Leitfragen orientierten, möchten wir nun die Grundlage für unseren Artikel schaffen.

Wir haben uns alle Praxisberichte angesehen und nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden gesucht. Das haben wir – um zu sehen, wie ähnlich oder unterschiedlich die Ergebnisse sind – getrennt gemacht und uns erst hinterher zusammengesetzt und unsere Ergebnisse verglichen. Obwohl wir unterschiedliche Methoden gewählt haben, beide tabellarisch, aber doch unterschiedlich, sind wir zu sehr ähnlichen Ergebnissen gekommen. Wir haben uns in bezug auf die Praxisberichte der Lehrenden angesehen:

  • Eingesetzte Werkzeuge
  • Einsatzmöglichkeiten
  • Vorbereitung des Einsatzes
  • Zusammenarbeit mit den Studierenden
  • Feedback
  • Wahrgenommene Vorteile
  • Wahrgenommene Nachteile
  • Konsequenzen
  • Verbesserungsmöglichkeiten
  • Gewünschte Unterstützung
  • Zukünftiger Einsatz
  • Benötige Fähigkeiten der Lehrenden
  • Benötige Fähigkeiten der Studierenden

Die Praxisberichte waren in mehrfacher Hinsicht interessant. Nicht nur, dass das Spektrum der eingesetzten Werkzeuge und damit auch das Verständnis von „Web 2.0-Tools“ sehr unterschiedlich und vielseitig waren, auch die Tools, die von mehren Praktikern eingesetzt wurden erfuhren einen sehr unterschiedlichen Einsatz in den Lehrveranstaltungen. Eine Sache, die uns in den Antworten sowohl der Lehrenden als auch der Studierenden zu verschiedenen Bereichen (sowohl bei den notwendigen Fähigkeiten der Lehrenden als auch Studierenden sowie z.B. bei der Zusammenarbeit oder dem Feedback durch die Studierenden) auffiel, ist die häufige Angabe, dass man für neue Dinge und Möglichkeiten offen sein sollte und den Einsatz solcher Tools wagen muss – in einem Satz: Dass man Mut braucht, um Web 2.0 (egal, welches Tool und welches Fachgebiet) in der Lehre und zum Lernen einzusetzen. Wir haben aus den Praxisberichten die These entwickelt, dass der Einsatz von Web 2.0 in der Lehre in vielfacher Hinsicht Mut benötigt – und haben zu dieser These vier Bereiche identifiziert und Teilthesen entwickelt, auf denen wir unseren Artikel aufbauen möchten. Diese möchten wir aber zunächst hier im Blog mit Euch diskutieren und stellen jede Teilthese in einem Blogartikel vor und damit zur Diskussion:

Der Einsatz von Web 2.0 in der universitären Lehre benötigt von Seiten der Lehrenden und der Studierenden

Bitte diskutiert die vier Thesen bis zum 30.09. in den jeweiligen Blogartikeln – wir sind gespannt, ob Ihr mutig genug seid, unsere Mut-Konstrukte zu kritisieren oder zu unterstützen ;)


Aktionen

Information

4 Antworten

11 09 2010
Oliver Tacke

Mut zur Hilflosigkeit, Mut zur Kooperation und Mut zum Fehler machen haben mir sofort die Neuronenmetapher von Jean-Pol Martin ins Gedächtnis gerufen: http://de.wikiversity.org/wiki/Benutzer:Jeanpol/Neuron

Er beschreibt damit das Verhalten, das er in Lehr-Lern-Situationen für förderlich hält und mit LdL auch erzeugen wollte.

Mut zur Hilflosigkeit könnte man mit Aussage 8 in Verbindung bringen: “Neuronale Netze gehen mit Unschärfen spielerisch um.” Man sollte also akzeptieren, dass man nicht immer alles vorhersehen kann.
Mut zur Kooperation würde ich in Aussage 4 sehen: “Wenn Neuronen angedockt werden, reagieren sie sofort.” Man lehnt Kooperationsgesuche von anderen nicht ab.
Mut zum Fehler machen entspricht ganz klar Aussage 3: “Da Neuronen keine Angst haben, Fehler zu machen und sich zu blamieren, feuern sie sehr schnell ab.”

Ich würde übrigens noch einen weiteren Mutbedarf in den Raum stellen: Mut zum “Auflehnen” (oder wenigstens Mut zum “Anderssein”). Im Vorbereitungsforum zu “EduCamp meets GMW” bin ich auf ein Posting aufmerksam geworden, dass Change Agents im Universitätsbetrieb behandelt: http://educamp.mixxt.de/networks/forum/thread.41962
Es gäbe an Universitäten Menschen, “die versuchen, den klassischen Wissenschaftsbetrieb an die Bewältigung der neuen Anforderungen heranzuführen.” Sie machen Dinge ganz anders, als man es im “bekannten” Universitätsumfeld gewohnt ist. “Das ist keine leichte Aufgabe: Man trifft auch Widerstände, Bedrohungsängste, sogar Anfeindungen, gerade an Universitäten, die bekanntlich viele Beharrungskräfte entwickeln können. Im Bereich von E-Learning und Neue Medien in Forschung und Lehre gibt es viele solcher Change Agents.” Wenn man das im konservativen Uni-Umfeld als “kleines Licht” durchzieht (so nenne ich das mal, Björn Kiehne würde vielleicht vom kultischen Umfeld sprechen), kann man sich da schnell auf einem (Karriere-/Job-)Abstellgleis wiederfinden.

Das geht wohl zurück auf Celia Whitchurch (“Third Space”). Whitchurch, Celia et al. (Hrsg.): Academic and Professional Identities in Higher Education: The Challenges of a Diversifying Workforce.

27 09 2010
Sarah

Die Mut-Thesen finde ich sehr gut – allerdings könnten wir sie noch schärfer voneinander abgrenzen – ich sehe da viele Überschneidungsbereiche, v.a. die Hilflosigkeit ist im Gegensatz zu den anderen Thesen noch recht unscharf und kann (meiner Meinung nach) so wie sie jetzt formuliert ist durch die anderen Konzepte aufgefangen werden. Auch die eher technische Seite (Mut neue Methoden auszuprobieren, Mut zur technischen Ausgeliefertheit) müsste meiner Meinung noch mit rein!

5 10 2010
cakruse

@Oliver: Danke, dass Du die Verbindung zum LdL gezogen hast. Das ist eine Verbindung, die mir so gar nicht bewusst gewesen ist und bei der aber, wenn man sich beide Ideen anschaut, wirklich ins Auge springt, dass es starke Parallelen gibt.

Der Mut zum Auflehnen bzw. Anderssein fällt ja ein wenig mit dem gerade eben neu definierten “Mut, etwas Neues auszuprobieren” zusammen, zumindest gehört beides gedanklich für mich in eine Ecke und wiegelt sich vllt. sogar gegenseitig noch hoch. Man probiert etwas Neues aus und begibt sich damit nicht nur für sich selbst auf ungewohntes Gebiet, sondern muss sich – innerlich oder tatsächlich – gegen die Skepsis und Widerstände des Umfelds verteidigen. Und das nicht nur in Bezug auf Kollegen, sondern vielleicht auch in Bezug auf die Studierenden.

5 10 2010
cakruse

@ Sarah: Du hast sicherlich Recht, dass wir die technische Seite etwas vernachlässigt haben. Allerdings liegt das daran, dass wir uns bei der Thesenbildung erst einmal an den abgegebenen Statements orientiert haben und dort die technische Frage erst einmal eine geringere Rolle gespielt hat. Meinst Du, man könnte die technische Komponente unter einem “Mut” zusammenfassen oder braucht man tatsächlich mehrere?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s




Follow

Get every new post delivered to your Inbox.